Das Glück der Zikaden

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Köln: Galiani, 2011, Seiten: 326, Originalsprache

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Daniela Loisl
Sich so ähnlich und doch so weit entfernt

Buch-Rezension von Daniela Loisl Sep 2011

Drei Frauen – drei Generationen. Nadja, Senta und Katarina. Mit Nadja hat alles seinen Anfang, als sie in den 30er Jahren gezwungen ist, mit ihrer Familie aus Russland ins verhasste Deutschland auszuwandern, da sie deutschstämmig sind. Alles hinter sich lassend, alles aufgebend, kommt sie mit der neuen Situation nicht zurecht und schottet sich immer mehr ab, zieht sich zurück in sich selbst und kann die Schwelle nach Draußen nie mehr überwinden. Ihren Mann, dem es hervorragend gelingt die vertraute Welt hinter sich zu lassen und sich den Umständen anzupassen, sieht sie als gemeinen Verräter. Und dann nimmt Nadja eines Tages Kontakt zu einem Juden, der nach Amerika ausgewandert ist, auf, und beginnt mit ihm eine rege Korrespondenz…

Viel geschieht in diesem Buch, vielen Menschen begegnet man und die politischen und sozialen Hintergründe der Zeit geben den breiten, vorgeformten Rahmen für ein Gemälde für die drei Frauen. Nadja ist leidenschaftliche Sängerin, spielt Klavier und steht auf der Bühne – daheim, in Russland. Anton, Nadjas Mann, fasst in Berlin sehr schnell Fuß und passt sich dem doch so anderen Rhythmus der Stadt an. Nur Nadja zieht sich immer mehr zurück und darunter leidet am meisten ihre Tochter, Senta.

Senta fühlt sich von ihrer Mutter nicht verstanden, zurück- und abgewiesen, am emotionalen Hungertuch nagend. Verletzt und unverstanden baut sie gegenüber ihrer Mutter einen Schutzwall auf. Nicht wissend, weshalb sich bei ihrer Mutter gefühlsmäßig so eine vermeintliche Kälte entwickelt hat, verliert sie das Bewusstsein, dass sie sich in dieselbe Richtung entwickelt und sich später gegenüber ihrer eigenen Tochter, Katarina, ebenso verhält.

"Das Glück der Zikaden" ist eine sehr intelligente Erzählung eines ständigen Auf und Ab der Gefühle, Heimatlosigkeit, Entwurzelung und zu tiefer Verletztheit. So ereignisreich und komplex die Geschichte ist, der Focus liegt auf der Gefühlsebene der drei Frauen, die eine so große Distanz trennt, wo sie doch so eng verbunden sind. Erst Katarina gelingt es sukzessive die Irrungen und Wirrungen der Vergangenheit behutsam zu lösen. Sie blickt erstmal hinter die mauerdicken Fassaden ihrer Mutter und Großmutter und beginnt langsam zu verstehen was damals alles geschah.

Prall gefüllt mit Erlebnissen, Ereignissen, sozialem Überlebenskampf, politischer Macht und Willkür spiegelt Böhning die Zeichen der  Zeit und heftet alles fest auf menschlicher Ebene. Wortgewaltig ohne aufzubauschen, bildhaft ohne sich in lange Beschreibungen zu verlieren, zeichnet die Autorin ein Psychogramm dreier starker und doch so schwachen Frauen. Wirkt auch alles leicht und flüssig erzählt, so findet sich die wirkliche Tragik zwar auch in Worten, die ganze Intensität jedoch liegt zwischen den Zeilen. Böhning hat ihre Geschichte in einer Zeit angesiedelt, die uns zum großen Teil fremd ist, aber eigentlich nur als Auslöser für Nadjas zu dieser Zeit notwendigem, unehrlichen Handelns und – letztendlich durch den Verlust der Heimat – daraus resultierenden Melancholie dient.

Die Spannungen zwischen den Frauen sind in abgewandelter Form heute ebenso zu finden, was beim Leser, oder genauer gesagt, bei der Leserin, ein leicht beklemmendes Gefühl erwecken kann.

Ein intensives, starkes und sprachgewaltiges Buch, das leicht zu lesen, aber nichts für Zwischendurch ist.

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