Dem Meer entgegen
- hanserblau
- Erschienen: Juli 2026
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Eine Geschichte wie das Meer: Leicht, bewegend und tief.
Auch nach Jahren leidet Ivona noch immer unter der Trennung von Vlaho. In den sozialen Medien quält sie sich mit Bildern seines Lebens mit Frau und Kindern. Immer wieder ruft sie sich in Erinnerung, dass sie es war, die die Scheidung verlangte. Und dass sie es war, die Vlaho Marina vorstellte.
Fällige Veränderungen
Nach der Scheidung kehrt Ivona in das Elternhaus in Zadar zurück. Trotz Krieg und Finanzkrisen hat ihr Vater seine Baufirma über die Runden gebracht. Erst ein Schlaganfall zwingt ihn in die Knie, sodass Ivona seine Aufgaben und auch seine Pflege übernehmen muss. Das Verhältnis zu ihrem Vater ist und bleibt schwierig.
„Heute sehe ich die Wahrheit, für die wir damals alle blind waren. Unser Zuhause war nicht weniger kaputt, nur weil wir alle unter einem Dach wohnten.“
Auf dem Anwesen ihrer Großmutter stehen drei Reihen alter Olivenbäume, die Ivona mit großer Leidenschaft pflegt. Die Herstellung von Olivenöl fasziniert sie. Deshalb besucht sie einen Vortrag einer italienischen Wissenschaftlerin, die sich mit Oliventrester befasst. Das anschließende Gespräch mit der Italienerin führt dazu, dass Ivona über ihr Leben nachdenkt und vielleicht doch noch längst fällige Veränderungen in Betracht zieht. Vor Jahren hatte sie bereits die Möglichkeit dazu, schlug sie aber aus.
Intensive Nähe
Vor dem Hintergrund der politischen Umwälzungen und deren Folgen für das noch junge Kroatien erzählt Lidija Hilje die Geschichte von Ivona. Immer wieder hält die Ich-Erzählerin inne und blickt auf ihr bisheriges Leben zurück. Im Besonderen auf die Zeit mit Vlaho und die Gründe für die Trennung, obwohl er ihre große Liebe ist.
„In Wahrheit bin ich immer so. Denke zu viel. Fühle zu viel. Reagiere übertrieben. Ich bin wie ein blanker Nerv, alles fasst mich an, alles löst Schmerz aus. Sogar Freude. Sogar Liebe.“
In dieser Geschichte geht es um verlorene Träume, eine intensive Liebe und familiäre Verpflichtungen. All das sind Elemente, die Entscheidungen wesentlich beeinflussen. Die Protagonistin verliert sich in ihren persönlichen Verstrickungen, die sie lange Zeit lähmen. Es gelingt ihr nur bedingt, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Stets versucht sie durch ihre Entscheidungen, die Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld glücklich zu machen. Sie möchte allen gerecht werden. Das hinterlässt Spuren.
„Zuerst behaupte ich mich, anschließend hinterfrage ich mich, und am Ende unterwerfe ich mich doch noch.“
Was diese Erzählung auszeichnet, ist die Sprache. Sie trägt durch die Geschichte, ohne zu überfordern. Doch unter der Leichtigkeit versteckt sich die wirkliche Tragik. Es entsteht eine intensive Nähe, die keine Grenzen setzt.
Fazit
«Dem Meer entgegen» ist ein Roman der berührt. Gerade wegen seiner scheinbaren Leichtigkeit. Das Buch überzeugt in vielerlei Hinsicht, vor allem aber mit seiner wunderbaren Erzählweise, die die Zerrissenheit der Protagonistin so einfühlsam zeigt. Es ist ein tiefgründiger Sommerroman, der nachdenklich stimmt.


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