Ein unerhörter Wunsch
- Hanser Berlin
- Erschienen: Juli 2026
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Wieviel Freundschaft verträgt eine Paarbeziehung?
Es ist ein empörendes Anliegen, das die todkranke Claire ihrem Ehemann unterbreitet. Im ersten Augenblick kann Eliot nicht fassen, was seine Frau ihm vorschlägt. Sie will ihre letzten Lebenstage nicht mit ihm, sondern mit ihren beiden Freundinnen Holly und Michelle verbringen.
Der loyalste Ehemann
Seit neun Jahren pflegt Eliot seine schwerkranke Ehefrau. Er ist immer für sie da und kümmert sich um ihre Bedürfnisse. Ihr Wunsch, dass ihre Freundinnen als Sterbebegleiterinnen bei ihr sein sollen, erwischt ihn auf dem falschen Fuß.
„Es war, als spräche sie eine Fremdsprache. Als hätte sie ein geheimes Leben geführt, von dem er erst jetzt erfuhr. Ein geheimes und bevorzugtes Leben. Aber das konnte er nicht aussprechen. Er konnte nicht fragen, warum seine Liebe nicht genügte.“
Nur widerstrebend packt Eliot seine Koffer und zieht in Hollys Haus. Die Distanz zu Claire ist einerseits beunruhigend, andererseits verschafft sie ihm auch Luft. Über die Jahre hat er sich so sehr an sein Leben als pflegender Ehemann gewöhnt, dass er auch jetzt nur an Claires Befinden denkt. Sie ist in einer Selbsthilfegruppe auf eine besondere Art der Sterbebegleitung aufmerksam geworden. Ihre Freundinnen bestärken und unterstützen sie bei der Umsetzung. Eliots Enttäuschung darüber, von seiner Frau des Hauses verwiesen worden zu sein, und die Verletzung machen nach einer Weile einem gewissen Gleichmut Platz. Er beginnt, sein bisheriges Leben zu überdenken.
Die Tonalität besticht
„Ein unerhörter Wunsch“ von Ann Packer ist bestimmt keine einfache Lektüre. Der Roman wirft Fragen auf und geht unter die Haut. Ohne großes Drama, sondern eher sachlich, erzählt Ann Packer die Geschichte der sterbenskranken Claire und ihres stets bemühten Ehemannes. Eliots Sicht gewährt nicht nur Einblick in den zu leistenden Pflegeaufwand, sondern auch in seine Gefühle und seinen duldsamen Charakter.
„[…] wurde ihm auf schmerzliche Weise klar, dass er während seines gesamten Ehelebens so getan hatte, als würde er zustimmen, während er sich in Wahrheit immer nur fügte.“
Ann Packers einfache Erzählweise verstärkt die Aussagekraft und die Wirkung unglaublich und wirft mit ihrem Roman viele Fragen auf. Sie legt ihr Augenmerk sowohl auf ethische als auch auf moralische Aspekte und die Rolle, die sie in einer jahrzehntelangen komplexen Paarbeziehung spielen.
Fazit
Die Geschichte von Claire und Eliot hallt noch lange nach. Das liegt an der besonderen Art, wie Ann Packer mit den heiklen Themen umgeht und wie sie emotionale Hürden mit Sachlichkeit meistert. Dadurch erhält die Erzählung eine faszinierende Glaubwürdigkeit und Leichtigkeit.


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