Die Scheinheiligen
- Klett-Cotta
- Erschienen: April 2026
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Kraftvolle Familiengeschichte.
Jo Hamya (*1997) ist eine britische Journalistin und Autorin. Während ihr Debüt „Three Rooms“ nur auf Englisch erschien, ist ihr zweiter Roman auch auf Deutsch verlegt worden.
Sophia rächt sich
Die 17-jährige Sophia macht mit ihrem Vater Urlaub auf Sizilien. Er will an seinem Buch arbeiten, sie will ihm helfen, aber auch gemeinsame Freizeit mit ihm verbringen. Ihr Vater lässt sie das Manuskript tippen, kümmert sich aber ansonsten nicht um sie. Er geht in diverse Bars, hat Sex mit diversen Frauen und schiebt Sophia dem Sohn der Haushälterin zu. Jahre später sitzt dieser Vater im Publikum eines Theaters um sich das Stück seiner Tochter anzusehen. Was er nicht ahnt, ist, dass diese den Sommer auf Sizilien heraufbeschwört und mit ihm abrechnet.
Drei Ebenen
Hamya erzählt die Geschichte auf drei Ebenen: Den Vater im Publikum, die Zeit auf Sizilien und ein Treffen von Sophia mit ihrer Mutter, während ihr Vater das Theaterstück sieht. Es stellt sich heraus, dass alle drei Probleme haben, die auf ihr familiäres Verhältnis zurückzuführen sind. Während der Vater sich für einen unwiderstehlichen und erfolgreichen Schriftsteller hält, ist die Mutter von ihm gelangweilt, darum auch geschieden und dem Alkohol zugetan. Sophia dagegen ist schwer enttäuscht. Der Vater, der Egoist, hat sie nicht unterstützt und sieht sie nur als Produkt seiner Genialität. Diese Probleme schildert Hamya in einer klaren Sprache, die manchmal auch optisch die Zerrissenheit zeigt, indem in einer Zeile nur Halbsätze oder gar nur einzelne Wörter stehen. Das Buch fesselt, auch wenn man es nicht so flüssig lesen kann, wie eine trivialer geschriebene Familiengeschichte.
Dem Vater geht ein Licht auf
Das Theaterstück hat es in sich. Eigentlich besteht es fast nur aus einer Aneinanderreihung von Sexszenen, viel Gestöhne und lauthals vorgetragenen Orgasmen. Anfangs fragt der Vater sich, wie Sophia das mitbekommen haben könnte, war er doch immer so vorsichtig. Doch langsam dämmert ihm, dass mehr dahinter steckt und er versucht Klarheit zu bekommen.
„… ist es wegen der Sachen, die du in deinem Stück geschrieben hast? Willst du nicht mehr mit mir reden? Bin ich ein schlechter Mensch? Es ist das erste Mal, dass er diese Frage jemandem stellt“.
Die beiden stellen sich und merken gar nicht, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie denken. Das hat Hamya ganz wunderbar im letzten Kapitel verdeutlicht, das alles vorher Gelesene noch einmal relativiert.
Fazit
Jo Hamya lässt „Die Scheinheiligen“ alle im angenommenen Recht suhlen und zeigt flüssig geschrieben, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Eine Familiengeschichte der etwas anderen Art, die es zu lesen lohnt.


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