Selbstaufgabe bis in die Katastrophe.
Franca studiert in Utrecht begeistert Vergleichende Literaturwissenschaft. Doch dann trifft sie Andrew. Sie verliebt sich in ihn und zieht mit ihm nach Cambridge. Einige Jahre später hat Andrew sein Geschäft zu Geld gemacht, die beiden Verlobten leben sehr gut situiert. Doch die Idylle trügt – Franca ist unglücklich, sie fühlt ihr Leben an sich vorbeiziehen. Als sie, eher gezwungen, eine Dinnerparty ausrichtet, geht während der Vorbereitung alles schief und es kommt zur Katastrophe.
Ein holpriges Debüt
Viola van de Sandt hat einiges von sich in ihr Debüt gepackt. Auch sie ist Niederländerin und hat Vergleichende Literaturwissenschaft studiert, allerdings in London. Hintergrundwissen ist immer gut für einen Text, jedoch schwächelt die Umsetzung in diesem Fall etwas. Der Stil ist zwar klar, aber teilweise zu ausschweifend und detailorientiert. Das nimmt zu viel Schwung aus der Geschichte. Die allerdings hat es in sich und so ist die „Trigger Warnung“ zu Beginn des Buches durchaus angebracht. Van de Sandt tritt Gedanken zu Missbrauch und dessen Wahrnehmung, Selbstbestimmung und Selbstaufgabe los, die nicht immer einfach zu lesen und ertragen sind. Das Ganze spielt sich auf drei Zeitebenen ab: In der Vergangenheit, am Abend der Party und in der Gegenwart. Dieser ständige Wechsel belebt den Handlungsverlauf dann wieder, doch sollte man auf Gewalt, auch gegenüber Tieren, gewappnet sein.
Franca wehrt sich
Van de Sandt lässt Franca in der Gegenwart einen Brief an Harry schreiben. Dazu veranlasst hat sie ihre Psychotherapeutin, die zusammen mit ihr den verhängnisvollen Abend aufarbeiten will. Wir erfahren also alles aus der Ich-Perspektive, andere Personen lernen wir nur durch Francas Augen kennen. Im Laufe des Briefes offenbart sich das ganze Dilemma, in das Franca geraten ist. Der Ausweg, den sie gesucht hat, ist brutal und zeigt ihre aufgestaute Frustration und Verzweiflung. Aber er hat Erfolg, was man anerkennen muss, jedoch gleichzeitig kommt die Frage auf, ob hier vielleicht ein etwas zu gewalttätiger Ausweg geschildert wurde.
Fazit
Ein Debüt, das nicht ganz überzeugt. Manchmal etwas langatmig und mit vielen möglichen Trigger Momenten, stellt Viola van de Sandt die Frage nach dem Recht auf Selbstbestimmung. Ein durchaus thematisch nötiger Roman, doch ob er das auch passend umsetzt, sollte die Leserschaft selbst herausfinden und entscheiden.



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