Land

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Monika Wenger
891001

Belletristik-Couch Rezension vonJul 2026

Eine poetische Reise durch Irlands Geschichte.

Maggie O’Farrells langsame, aber eindringliche Schreibweise entführt in eine faszinierende Erzählwelt. In ihrem neuen Werk schildert sie das Leben von Tomás und seiner Familie. Sie leben auf einer von den Engländern beherrschten irischen Halbinsel. Tomás hat eine Mission mit doppelter Wirkung. Einerseits soll er als Landvermesser im Auftrag der Besatzer die irische Landschaft kartographieren, andererseits will er die verheerenden Folgen der britischen Landwirtschaftspolitik dokumentieren.  

Der Kartograph und seine Mission

Das Land ist gezeichnet von den Missernten und Hungersnöten der Jahre 1845 bis 1849. In der Folge sind ganze Landstriche verwüstet und viele Dörfer entvölkert. Die Menschen wurden entweder in den Tod oder ins Exil getrieben. Die Landschaft hat sich verändert und Tomás ist entschlossen, diese Veränderungen für die Nachwelt festzuhalten. Er steht jedoch unter Zeitdruck, da die Auftraggeber jeden Tag auf der Halbinsel eintreffen können und eine abgeschlossene Landvermessung erwarten. Doch bevor es soweit ist, findet der wortkarge und detailversessene Kartograph ein Stück Land mit einer Quelle, das auf keiner Karte zu finden ist. Diese Entdeckung verändert ihn und das Leben seiner Familie komplett.  

Viele Facetten

Maggie O’Farrell verwebt irische Mystik und Folklore mit dem Schicksal eines irischen Landvermessers. Seine Besessenheit verlangt seiner Familie alles ab. Eindrücklich beschreibt die Autorin die enormen Auswirkungen auf sein gesamtes Umfeld. Wenn es um das besondere Stück Land geht, das Tomás entdeckt hat, wird O’Farrells Schreibstil beinahe poetisch. Bildhaft lässt sie die Vorfahren auferstehen und vermittelt ein Stück irische Spiritualität.

In Rückblicken erzählt Maggie O’Farrell aus Tomás Leben und davon, wie sich die Entdeckung der Quelle auch auf seine Frau und die Kinder auswirkt. Es sind Themen wie die irische Kolonialisierung und Rebellion, die Liebe und auch unzählige Tragödien. Der Roman ist so facettenreich wie die irische Landschaft und ihre Menschen und genau das zeichnet ihn aus.    

Fazit

Es sind die genaue Wortwahl, die präzisen Beschreibungen und die tiefe Empathie für die Figuren, die diesen Roman zu etwas Unverwechselbarem machen. Man muss sich jedoch auf die Erzählung einlassen und sich Zeit nehmen. Dann wird man mit einer Mischung aus Geschichte und Mystik belohnt. Ein Roman, der noch eine Weile zu denken gibt.

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