Aufarbeitung Jugoslawischer Geschichte.
Slobodan Šnajder, 1948 in Zagreb geboren, war politischer Kolumnist, Chefredakteur einer von ihm mitbegründeten Theaterzeitschrift, Theaterintendant und Autor zahlreicher Theaterstücke, darunter das politisch aufgeladene „Der kroatische Faust“. „Engel des Verschwindens“ ist sein zweites ins Deutsche übersetztes Buch und widmet sich, genau wie sein Vorgänger „Die Reparatur der Welt“, einem politischen Thema – der blutigen Geschichte Jugoslawiens.
Ein Findelkind, ein Mietshaus und eine Frau
Magus, das „Findelkind der Finsternis“ kommt immer wieder sporadisch im Geschehen vor und berichtet von Episoden aus Zagreb bis 1941. Dann übernimmt ein zweistöckiges Mietshaus den Part des Erzählers. In ihm leben die unterschiedlichsten Menschen, auch Anđa, das Dienstmädchen aus der Dachkammer. Sie ist die Protagonistin, ihr Leben begleiten wir von 1941, als die Deutschen Jugoslawien besetzen, bis zum Zerfall der Republik ab 1992. Anđa war Partisanin, Verliebte und Verzweifelte und eine Mutter, die ihr Adoptivkind vermisst.
Keine leichte Lektüre
Dieser epochale Roman ist alles andere als eine leichte Wohlfühllektüre. Šnajder hat einen überaus komplexen Stil. Vieles steht zwischen den Zeilen, Manches wird als bekannt vorausgesetzt. Hier sind Konzentration und der Wille zum Durchhalten gefragt. Doch wenn man sich an den Stil gewöhnt und in die Geschichte eingelesen hat, kann man nicht aufhören weiterzulesen. Das ganze Drama des Vielvölkerstaates Jugoslawien offenbart sich in diesem Roman. Immer wieder werden die Risse in dem Gefüge mit der Frage nach der Volkszugehörigkeit thematisiert. Der Kampf gegen die Obrigkeiten und die Erkenntnis, dass Gewalt und Siege im Laufe der Geschichte völlig sinnlos erscheinen, wird am Leben von Anđa offensichtlich. Als dann das Mietshaus in Zagreb abgerissen wird, zerfällt auch der Staat Jugoslawien und wir müssen Anđa zurücklassen.
Fazit
„Engel des Verschwindens“ ist keine durchschnittliche Wohlfühllektüre. Slobodan Šnajders komplexer Stil lassen den Ritt durch die Geschichte Jugoslawiens zu einem sehr anstrengenden, aber auch interessanten werden. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen erlebt eine Geschichtsstunde der etwas anderen Art.



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