Body

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André C. Schmechta
861001

Belletristik-Couch Rezension vonJul 2026

Faszinierend. Ungewöhnlich. Verstörend.

Schon nach wenigen Seiten fühlte ich mich an Clive Barker erinnert – jenen Autor, der einst den Horror um eine völlig eigene, verstörend faszinierende Sprache bereicherte. Doch Ellika Lagerlöf geht einen anderen Weg. Ihr Ziel ist nicht das Grauen, nicht der Schock und auch nicht effektheischender Ekel. Stattdessen erschafft sie Wirklichkeiten, in denen das Absurde selbstverständlich wird und das Unmögliche ganz natürlich erscheint.

Wenn das Unvorstellbare zur Normalität wird

In Body überschreitet Lagerlöf die Erwartungen klassischer Genre-Literatur. Sie erzählt Kurzgeschichten, die wirken wie bizarre, skurrile Träume – und doch sind sie innerhalb ihrer eigenen Logik vollkommen real.

Eine Frau zieht ein Kind in einem Koffer groß. Ein Paar entdeckt nach einer ungewöhnlichen Therapie seine Liebe neu, indem beide ihre Körper auf radikale Weise füreinander öffnen. Was zunächst grotesk oder befremdlich wirkt, verliert dann mit jeder Seite mehr und mehr seinen Ausnahmecharakter. Das Abnormale und Sonderbare wird alltägliche Wirklichkeit.

Lagerlöf führt ihre Leserinnen und Leser dabei behutsam in diese Realitäten, erzeugt keine typische Horror-Atmosphäre. Stattdessen entstehen Verwunderung, Staunen und immer Irritation. Denn Lagerlöf verschiebt konsequent die Grenzen dessen, was wir als normal empfinden. Dass die Geschichten häufig auf Enden zulaufen, die beinahe beiläufig wirken, entfaltet zusätzlich eine besondere Wirkung: Wenn die letzte Seite erreicht ist, haben wir das Bizarre längst akzeptiert.

Der Körper als Ausgangspunkt

Wie der Titel bereits andeutet, steht das Körperliche im Zentrum vieler Erzählungen. Körper verändern sich, werden umgedeutet oder auf ungewohnte Weise Teil zwischenmenschlicher Beziehungen. Dabei ist Body mehr als eine Sammlung körperlicher Kuriositäten. Immer wieder kreisen die Geschichten um Familie, Liebe, Nähe und Identität. Die körperlichen Besonderheiten werden zum Ausdruck emotionaler Zustände und menschlicher Bedürfnisse. Dadurch gewinnen auch ungewöhnliche Szenarien und Momente eine gewisse Vertrautheit.

Besonders beeindruckend ist Lagerlöfs Fähigkeit, ihre originellen Ideen greifbar zu machen. Ihre Sprache bleibt klar und zugänglich. Die Bilder entstehen unmittelbar vor unserem inneren Auge. Gerade weil sie ihre Einfälle nicht ins Extreme übersteigert, wirken sie umso eindringlicher.

Fazit

Body ist eine außergewöhnliche Sammlung von Kurzgeschichten, die sich jeder einfachen Einordnung entzieht. Ellika Lagerlöf verbindet das Körperliche mit dem Fantastischen, das Vertraute mit dem Absurden und schafft daraus ebenso faszinierende und ungewöhnliche, wie bisweilen verstörende Erzählungen.

Body

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