Bewegende Liebesgeschichte
Schleswig-Holstein 1944: Claus, Sohn des gutsituierten Gutsbesitzers, verlobt sich mit der Hausangestellten Marie und überreicht ihr einen Diamantring. Daraus entsteht eine ebenso tragische, wie traurig-schöne Liebesgeschichte. Die erfahren Jesca und Richard aber erst, als Jesca den Ring nach einer Wohnungsauflösung 2020 findet und Kontakt mit dem fast 100-jährigen Sören aufnimmt. Er ist der Letzte, der noch von Marie und Claus erzählen kann.
Jeder hat Geheimnisse – auch der Ring
Im vorliegenden neuen Roman von Dreh- Hörbuch- und Buchautorin Inken Witt wird eine Liebesgeschichte erzählt, die unter die Haut geht. Die Geschehnisse von 1944 bis Kriegsende sind dabei allerdings nicht einmal das Ausschlaggebende, was dieses Buch so lesenswert macht. Es ist das Verweben von Schicksalen, die auf drei Zeitebenen mit dem Ring zusammenhängen. Diese Schicksale haben alle Geheimnisse oder dunkle Flecken in ihrer Vergangenheit. Jesca hadert mit ihrer Mutter, Richard möchte am liebsten vergessen und Sören hat zusammen mit Claus im Krieg die Hölle erlebt, wie auch Marie, die von Claus Eltern abgelehnt wird. Auch der Ring hat gleich mehrere Geheimnisse, die im Laufe der Geschichte ans Licht kommen.
Interessante Charaktere
Das klingt, wie ein Roman, wie es sie schon zur Genüge gibt, doch Witt gibt jedem Charakter etwas mit, das interessant ist. Vor allem Sören ist vielschichtig packend. Als sehr alter Mann, hat er eine lieblose Kindheit und den grausamen Krieg mit all seinen Schmerzen und Verlusten hinter sich gebracht. Er hat geliebt, manchmal wurde diese Liebe erwidert, manchmal ließ er sie lieber verborgen. Es ist einnehmend, wenn Sören von seinem Leben erzählt. Es ist genauso ergreifend, wenn Marie und Claus versuchen ihre Liebe zu retten – durch unzählige Briefe und Taten, die in beider Leben massiv eingreifen. Auch Jesca und Richard sind gezeichnet und tragen Narben mit sich. Gerade Jesca wird als Einzelgängerin geschildert, die ihre Probleme eingekapselt mit sich trägt und einer Arbeit nachgeht, die körperlich anstrengend ist und mental manchmal auch. Richard wird erst im Laufe der Geschichte interessant, doch seine Vergangenheit ist viel dramatischer als man vermutet. Diese Personenzeichnungen sind gelungen und tragen die flüssig geschriebene Geschichte
Fazit
Was zunächst wie ein klassischer Liebesroman aussieht, ist ein Buch, dessen Charaktere aber viel mehr daraus machen. Inken Witt ist ein Roman gelungen, der Verluste, Liebe, Trauer und moralisches Desaster thematisiert, damit berührt und mitreißt. Wer gerne tiefgreifende Familiengeschichte liest, ist hier genau richtig.



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