Das Meer in Gold und Grau

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 2011, Seiten: 285, Originalsprache

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Britta Höhne
Pamphlet gegen die Schnelligkeit

Buch-Rezension von Britta Höhne Sep 2011

Veronika Peters definiert in Das Meer in Gold und Grau, den Begriff "Spannungsbogen" neu. In ihrem aktuellen Roman nämlich steigt die Spannung langsam, versteckt, zuweilen zäh an, um schließlich nach fast 300 Seiten mit einem Knall dem Ende entgegen zu rasen. Eine gute Idee, nicht neu, aber empfehlenswert für ein paar entspannte Lesestunden.

Katia Werner verliert kurz vor ihrem 30. Geburtstag alles, was für Leben steht: Ihren Job, ihre Wohnung und das Verhältnis zum Vater der Kinder, die sie eigentlich betreuen sollte. Plötzlich ist ihr Leben ein Trümmerhaufen und Katia hat keine Idee, wie es weiter gehen könnte. Von ihrem Vater erfährt sie, dass er eine Halbschwester hat. Zwar ist Katia ihr noch nie begegnet, was sie aber nicht davon abhält, die alte Frau in ihrem "Strandhotel Palau" – zwischen Halsung und Liefgaard an der Ostsee gelegen – aufzusuchen.

Tante Ruth ist eine ruppige, herrschende, verachtend zynische und niemals leise Person. Katia schließt sie sofort in ihr Herz, wenngleich die beiden Frauen oft aneinander geraten. Eigentlich plant die junge Frau, nur ein paar Tage zu bleiben. Aus Tagen werden Monate. Sie taucht ein in die seltsame Wohngemeinschaft ihrer Tante, vertieft sich ins Hotelgewerbe und macht sich unersetzlich für den Betrieb. Doch dann kommt alles anders: Ruth erkrankt, stirbt und vor dem Palau warten die Bulldozer...

Rührend ist ein Wort, was unweigerlich zu Peters Roman passt. Katia platzt mit all ihren unerfüllten Wünschen und Sehnsüchten in Ruths-Palau-WG, deren Bewohner sich überwiegend im Rentenalter befinden. Im Alltag treffen jugendliche Naivität (wenngleich Katia fast 30 Jahre alt ist), und Altersweisheit aufeinander. Die einen sind enttäuscht, da sie sich auf der Zielgeraden des Lebens befinden, die andere, Katia, ist betrübt und weiß nicht, was sie mit ihren ausstehenden Lebensjahren anfangen soll. Ruth ist es schließlich, belesen, intellektuell und fleißig, die in ihrer barschen Art Katia zu verstehen gibt, dass sie noch viel Zukunft habe, die sie nutzen und füllen solle. Mit was auch immer.

Die Geschichte, mit unzählig schön gemalten Bildern der Landschaft, besonders der Ostsee, scheint ein Versuch gegen die immer dynamischer werdende Welt anzuschreiben: Unterstrichen durch schier unzählige Rauchpausen beider Frauen. Ruth - lebt antiquiert und denkt auf ihre Weise beneidenswert modern - ist Sammlerin von Biografien. Aufbewahrt in alten Karteikästen. Katia, Kind des Computerzeitalters, amüsiert sich über die Marotten der Tante und taucht schließlich selbst ein in die bunten Zettelkästen, in denen handschriftlich verfasst steht, welcher Gast welche Vorlieben hat. Die junge Frau aus der Stadt beginnt das entschleunigte Leben am Wasser zu genießen: Die schrulligen Mitbewohner, wie Koch Sergej, die beiden polnischen Zimmerfrauen Ania und Bascha,  Steinesammler Heinrich und Elisabeth von Kroix. Die Adelige steht fast seit Beginn des Hotelbetriebs Ruth sowohl finanziell als auch mit ihrem unbeugsamen Arbeitseifer zur Seite.

Veronika Peters Roman ist weniger das tosende Meer, das sie allzu oft beschreibt, als viel mehr ruhigeres Fahrwasser. Aber durchaus lesenswert. Zumal sie Dauerbrenner wie Krankheit, Tod, die Frage der Generationen gekonnt miteinander vermischt, was nicht zuletzt an ihrer schönen Sprache liegt. Die Autorin ist durchgehend bemüht, dass ihre Charaktere nicht an Kraft verlieren und die Ostsee nicht an Farbe. Die zahlreichen Naturbeschreibungen wirken beruhigend, nicht nur auf die kauzige Rentner-WG, sondern zweifelsohne auch auf die Leser. Und noch etwas gelingt Peters durch Ruth: Sie weckt die Leidenschaft für die Literatur. Oder besser Lyrik: "Rot ist der Abend auf der Insel von Palau und die Schatten sinken ", lautet die erste Zeile von Gottfried Benns Gedicht "Palau".

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