Das gute Leben

Das gute Leben
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Carola Krauße-Reim
901001

Belletristik-Couch Rezension vonJul 2026

Identität gegen ein vermeintlich besseres Leben getauscht.

Anni ist gestorben. Ihr Haus erbt die einzige Enkelin. Christina erinnert sich dort an ihre Großmutter, die schwanger 1964 aus Rumänien floh und sich in der Nähe von Nürnberg ein neues Leben aufbaute. Sie zieht ihr Kind alleine groß, arbeitet Jahrzehnte lang als Packerin am Fließband von Quelle und übernimmt dann auch noch die Erziehung von Enkelin Christina, als deren Mutter in die USA geht. War es das „gute Leben“, das sich Anni erträumt hatte? Und was hat sie auf Christina projiziert, dem diese jetzt vielleicht verpflichtet ist?

Eine ruhige und sensible Geschichte

Nadine Schneider packt viel von sich in ihr drittes Buch. Ihre Familie stammt aus Rumänien, sie selbst wurde 1990 in Nürnberg geboren und wuchs auch dort auf. Wie Christina, die jetzt über das Leben ihrer Oma nachdenkt. Diese Gedanken sind still, manchmal Momentaufnahmen. Dazwischen kommen immer wieder Rückblicke in das Leben von Anni. Ihre Ängste vor der Flucht, ihre Hoffnungen und auch ihre Enttäuschungen. Die Tochter Helene spielt im Buch nur eine untergeordnete Rolle, erst am Schluss wird der Konflikt von Mutter und Tochter etwas deutlicher. Es wird immer offensichtlicher, dass Anni mehr vom Leben erwartet hat, obwohl sie sich einiges geschaffen hat. Doch integriert war sie nie.

Identitätsverlust und Einsamkeit

Im kleinen rumänischen Dorf kannten Anni alle, in Deutschland niemand. Zwar hat sie Bruder und Verwandte in der Nähe, doch Anni ist einsam. So einsam, dass sie fast wieder zurück gehen möchte. „Ich kann hier nicht mehr, sagt Anni und schämt sich für jedes Wort so sehr, das ihr der Magen weh tut. Ich bin müde, Mama, ich habe hier niemanden“. Das Alleinsein bringt sie an ihre Grenzen, vor allem in der Beziehung zu ihrer Tochter. Schneider erzählt dieses Leben ruhig, ohne Drama und dennoch sehr intensiv. Die Aufopferung und der unbedingte Wunsch „ein gutes Leben“ zu haben, dafür aber die Heimat, die Mutter und die Geborgenheit eintauschen zu müssen sind allgegenwärtig. Christina spürt dieses noch im Haus nach und fragt sich, ob sie damit abschließen darf oder die Verpflichtung hat, das Leben von Anni zu würdigen.

Fazit

Eine ruhig erzählte Geschichte, die der Frage nach Verpflichtung nachgeht und gleichzeitig ein Leben nach der Emigration schildert. Nadine Schneider hat einen generationenübergreifenden Roman geschrieben, der berührt, manchmal traurig macht, aber auf jedenfalls lesenswert ist.

Das gute Leben

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