Schwarzer September

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Carola Krauße-Reim
801001

Belletristik-Couch Rezension vonJun 2026

Ein Sommer, der alles änderte.

Der Architekt und Schriftsteller Sandro Veronesi wurde 1959 in Florenz geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Italiens und das zu Recht, wie sein aktueller Roman „Schwarzer September“ beweist.

Gigio erinnert sich

Wie jedes Jahr im September reist der 12-jährige Gigio auch 1972 mit seinen Eltern von Vinci an die ligurische Küste. Doch dieses Mal ist alles anders: Er verliebt sich in Astel, die Tochter des reichen italienischen Vermieters und dessen aus Äthiopien stammenden Frau. Vergessen ist die Schachweltmeisterschaft und auch die Olympischen Spiele sind nur noch zweitrangig. Zusammen mit Astel übersetzt er Songtexte von David Bowie und Cat Stevens, geht an den Strand und lernt die Liebe kennen. Doch dann passieren zwei schreckliche Dinge, die Gigios Leben für immer ändern.

„Schwarzer September“

Dieser Begriff bezieht sich auf zwei brutale Ereignisse, die sich in diesem Monat zugetragen haben: Die blutige Vertreibung palästinensischer Untergrundorganisationen aus Jordanien 1970 und das grausame Olympia-Attentat einer Gruppe Palästinenser, die sich „Schwarzer September“ nannte im Jahr 1972. Auch für den jungen Gigio ist der September ein furchtbarer Monat, wie sich sein über 50-jähriges Ich nun erinnert. Was so wunderbar begann, endete in einer Katastrophe, die ihn und seine kleine Schwester aus ihrem bisherigen Leben riss, in das sie auch nie wieder zurückkehren durften.

Einfühlsamer Coming-of-Age-Roman

Kraftvoll und gleichzeitig sehr einfühlsam, erzählt Sandro Veronesi von den schönen, sonnigen Tagen am Meer. Das Leben des 12-Jährige könnte nicht schöner sein. Diese Schilderungen nehmen einen großen Teil des Buches ein. Das Lebensgefühl der 70-er Jahre kehrt zurück. David Bowie, Harry Belafonte, Joe Cocker, Zitronenhühnchen und verspiegelte Sonnenbrillen verbunden mit dem Urlaub am Meer, erzeugt eine fast greifbare Atmosphäre. Die zerstörerischen Katastrophen hingegen werden relativ schnell abgehandelt. Und die sich daraus ergebenden weiteren Lebensumstände werden erst ganz zum Schluss thematisiert. Erst jetzt begreift man, dass der „schwarze September“ das ganze Leben von Gigio und seiner Schwester nachhaltig gestört hat. Veronesi entführt uns in die sonnigen und schwarzen Tage eines Kindes, verbindet Realität und Fiktion so geschickt, dass die Lebensgeschichte von Gigio einfach nur fesselt. Sie zeigt, wie schnell sich Schönes in Tragisches, sogar Grausames ändern kann, ohne dass wir direkten Einfluss darauf haben.

Fazit

Sandro Veronesi erzählt einfühlsam und fesselnd, entführt uns an die sonnig heiße ligurische Küste und zeigt uns, wie schnell sich das Leben komplett ändern kann. Ein Coming-of-Age-Roman, den es zu lesen lohnt!

Schwarzer September

Sandro Veronesi, Zsolnay

Schwarzer September

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