Das Grab des Webers
- Jung und Jung
- Erschienen: Februar 2026
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Ein Meisterwerk!
Der irische Autor und Journalist Seumas O‘Kelly war Leiter der Sinn-Féin-Zeitung „The Nationality“ als britische Nationalisten am 14.11.1918 die Redaktion in Dublin besetzten. O‘Kelly erlitt einen Herzinfarkt und verstarb. Seine Kurzgeschichte „Das Grab des Webers“ ist ein wahres Meisterwerk des Genres und wurde jetzt vom Verlag Jung und Jung neu aufgelegt und damit glücklicherweise dem Vergessen entrissen.
Die groteske Suche nach der Grabstelle
Der alte Weber Mortimer Mehir ist tot. Seine vierte und wesentlich jüngere Witwe sucht nun die Grabstelle der Familie auf dem Friedhof Cloon na Morav. Dabei wird sie von zwei Alten unterstützt: Dem Nagelschmied Meehaul Lynskey und dem Steinbrecher Cahir Bowes, denn nur sie könnten die Grablege noch kennen. Das Suchteam vervollständigen zwei Totengräber, die Zwillinge sind. Doch die Grabstelle scheint unauffindbar und so zieht man einen dritten Alten heran, den Küfer Malachi Roohan. Der meint, man könnte sie unter der Ulme finden, doch es gibt auf dem Gottesacker keinen einzigen Baum!
Einblick in die menschliche Seele
„Das Grab des Webers“ lässt tief in die menschliche Seele blicken: Die Alten, die sich gegenseitig bekriegen, weil sie Besserwisser sind; die Totengräber, die jung sind und die Schönheit der Witwe bemerken und diese selbst, die ihren alten Mann gepflegt hat und jetzt eigentlich froh ist, dass es ihn nicht mehr gibt, es aber nicht zugeben will. Seumas O‘Kelly schafft es auf wenigen Seiten, alle diese skurrilen Figuren bis in ihr Innerstes vorzustellen. Dabei bewegt er sich ganz auf Pfaden der alten irischen Erzähltradition.
Storytelling vom Feinsten
Geschichtenerzähler haben eine lange Tradition in Irland. Noch heute kann man ihnen in Pubs oder bei Familienfeiern lauschen. Oft spielt die Mythologie in Verbindung mit der Realität eine Rolle in den Geschichten. Das kann man in einer etwas angepassten Form auch in der vorliegenden Erzählung finden. Der Friedhof Cloon na Morav ist ein eingefriedeter Bereich, der den Toten gehört – mit alten verfallenen Grabsteinen und Grablegen, die fast vergessen sind. Ein mystischer Ort, der nun von Lebenden mit einer sehr weltlichen Mission aufgesucht wird. Daraus lässt Seumas O‘Kelly eine Geschichte entstehen, die von Anfang an fesselt. Skurril und mit jeder Menge Humor lässt er uns eintauchen in die Suche nach dem Grab, das nur aufgrund eines lange zurückliegenden und ebenfalls kaum fassbaren Vorfalls doch noch gefunden wird.
Fazit
Eine Kurzgeschichte, die man gelesen haben sollte! Seumas O‘Kelly setzt mit „Das Grab des Webers“ die Tradition der irischen Erzählkunst formidabel fort. Zum Glück hat der Verlag Jung und Jung dieses Meisterwerk neu aufgelegt, das ansonsten wohl dem Vergessen anheimgefallen wäre.


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