Diamanten
- Hanser Berlin
- Erschienen: Februar 2026
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Eine kosmopolitische Familie, vier ungleiche Geschwister und ein großer Verlust.
David Vajda ist eigentlich Filmemacher – nun hat er seinen ersten Roman geschrieben. Er trägt den Titel Diamanten, nach dem Spitznamen, den der Familienvater seinen Kindern verpasst und dreht sich um das Weiterleben eben dieser erwachsenen Geschwister nach dem krankheitsbedingten Tod der Mutter.
Die Trauer der Trabanten
Jedes der vier Kinder entwickelt seine eigene Taktik, mit diesem Verlust umzugehen. Der eine schottet sich ab, der zweite stürzt sich in Arbeit, die dritte kann die Tragik nur in der Groteske ertragen und der Protagonist kämpft trotz Verdrängung mit Schuldgefühlen.
Der ebenso verschrobene wie emotional bedürftige Vater ist ihnen in der Bewältigung der Trauer keine Hilfe. Während für den Vater, der aus der Diaspora in Deutschland in sein Geburtsland zurückgekehrt ist, noch das Prinzip des Entweder-oder, des Ganz-oder-gar-nicht greift, seine Kinder entweder Diamanten oder Schweine, Mačak (Kater) oder Trottel sind, befindet sich die jüngere Generation in einer konstanten Identitätskrise. Ihr fehlendes Zugehörigkeitsgefühl mündet in dem Gefühl eines konstanten Dazwischenseins.
Das liegt auch am Verlust der Mutter, die die Familie zusammengehalten hatte. Ihr Leidensweg seit der Diagnose „Hirntumor“, der Schmerz und die Machtlosigkeit ist nur schwer zu ertragen und geht unter die Haut. Ohne sie bleibt nur noch die Fassade einer Familie, die Geschwister kreisen um eine Leere, ihnen ist der Mittelpunkt abhandengekommen. Zuhause sind sie scheinbar nur noch in der Erinnerung.
Und so ist das Grundmotiv des Romans die Schwermut: Die Geschwister sind rastlos und unglücklich, egal wo sie schlaglichtartig in Szene gesetzt werden: in Griechenland und Wien, Berlin und Hollywood in Belgrad und in der Provence.
Traurigkeit durchzieht diesen Roman, Schuldgefühle, Distanz und Betäubung werden an die Stelle von Trauer und Verarbeitung gesetzt, die Inszenierung ersetzt die Authentizität, das Groteske und der Zynismus werden zu Bewältigungsstrategien. Die sich entspinnende szenische Episoden-Montage ist sprachlich faszinierend, aber aus merkwürdiger, verfremdender Distanz, wie durch den Blick einer Kameralinse erzählt.
Fazit
Ist der tragisch-komische Debütroman von David Vajda zwar atmosphärisch und sprachlich durchaus eindrucksvoll, kann man sich doch nicht des Eindrucks erwehren, dass es sich um literarisches Stückwerk handelt. Mehr oder weniger assoziativ stehen die Kapitel nebeneinander, ein Spannungsbogen ist quasi nicht existent. Positiv gewendet könnte man sagen, dass diese narrative Nabelschau ohne psychologische Erläuterungen der Innenleben der Protagonisten auskommt und für sich steht. Sie hinterlässt beim Lesen aber einen etwas schalen Beigeschmack.


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