Eine Maus namens Merlin
- Klett-Cotta
- Erschienen: März 2026
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Zurück ins Leben.
Helen ist 83 Jahre alt, als sie an ihren Geburtsort zurückkehrt. Ihr Alltag folgt festen Ritualen: aufstehen, baden, Tee trinken, fernsehen, einkaufen, schlafen. Die Tage vergehen, ohne dass sie noch viel von ihnen erwartet. Helen wartet nicht mehr auf das Leben – sondern auf dessen Ende. Doch dann zieht eine Maus in ihr Haus ein.
Zwischen Melancholie und Hoffnung
Und das kleine Tier stößt keineswegs auf Willkommensliebe. Helen möchte die Maus loswerden. Doch so einfach ist das nicht. Und aus der Notwendigkeit, sich vorerst um das unerwartete Geschöpf zu kümmern, entsteht Verantwortung, dann Aufmerksamkeit und bald echtes Interesse. Die Maus erhält einen Namen – Merlin. Und mit Merlin kehrt nach und nach auch das Leben zurück. Auch wenn Helen das noch nicht ganz so sehen mag.
Simon Van Booy begleitet in seinem Roman die Hauptfigur nur über einen vergleichsweisen kurzen Zeitraum. Und doch erzählt er dabei beinahe ein ganzes Leben. Stück für Stück setzt er Puzzleteile von Helens Vergangenheit zusammen. Erinnerungen an geliebte Menschen, schmerzhafte Verluste und verpasste Chancen treten langsam hervor und verleihen der Gegenwart eine neue Bedeutung.
Dabei gelingt Van Booy eine wunderbare Balance zwischen Melancholie und Hoffnung. Die bedrückende Stimmung der ersten Seiten weicht allmählich einer leisen Wärme. Dieser Übergang geschieht beinahe unmerklich. Weil Merlin versorgt werden muss, verlässt Helen ihr Haus häufiger und nicht mehr nur zu ihrem montäglichen Wocheneinkauf. Sie begegnet anderen Menschen, führt Gespräche, nimmt wieder Anteil an ihrer Umgebung. Aus der Frau, die sich nach dem Tod sehnt, wird eine Frau, die plötzlich wieder Gründe findet, im Hier und Jetzt zu bleiben. Vor allem aber nimmt Merlin nicht nur in ihrem Haus, sondern in ihrem Herzen sehr viel Raum ein.
Van Booy erzählt diese Entwicklung mit großer Feinfühligkeit und stets mit einer feinen Prise Humor, der immer wieder durch die Geschichte blitzt. Seine Figuren wirken – wenngleich auch gelegentlich ein wenig überzeichnet - nahbar und authentisch. Mit einem späten Blick auf Helens Vergangenheit fügt sich das Bild ihres Lebens vollständig zusammen – und verleiht dem Roman am Ende mit etwas mehr Dramatik und überraschendem Tempo auch zusätzliche Tiefe. Und Merlin? Nun, da lest ihr lieber selbst…
Fazit
Eine Maus namens Merlin ist ein warmherziger, kluger und berührender Roman über das Leben selbst. Simon Van Booy erzählt von Trauer und Einsamkeit, von Hoffnung und Verbundenheit und von den kleinen Dingen, die unserem Dasein Sinn verleihen. Und es ist eine berührende Hommage an die Menschen und Tiere, die uns zeigen, dass ein Neuanfang jederzeit möglich ist.


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