Weniger wäre mehr gewesen.
„Als der Himmel fiel“ erschien bereits 2019 und wurde jetzt vom Eisele Verlag neu aufgelegt. Es ist der zweite von insgesamt drei Romanen der Autorin Julie von Kessel. Sie erzählt hier die Geschichte zweier Cousinen, die gleichzeitig beste Freundinnen sind. Als eine von ihnen ein Stipendium an der Yale Universität erhält, folgt ihr die andere, um in einer New Yorker Galerie zu arbeiten. Langsam gewöhnen sich die beiden an das andere Leben in Amerika. Und dann kommt der 11.9.2001.
Der Beginn ist fesselnd
Ophelia und Franka müssen sich den Herausforderungen des anderen Lebens in Amerika stellen – jede auf ihre Weise. Das ist sehr interessant und macht den Beginn des Buches fesselnd. Vor allem, als sich herausstellt, dass die oberflächliche, völlige Abhängigkeit der beiden Cousinen unterschwellig ziemliche Risse hat. Doch was auf eine vielschichtige und tief gehende Geschichte hoffen lässt, driftet sehr schnell in ein relativ banales Beziehungswirrwarr ab, das so gar nicht mehr fesselnd ist. Selbst als die Anschläge des 11. September das Leben von Ophelia und Franka durcheinanderwerfen, ist das Erzählte fast schon banal.
Unnötige Nebenstränge zerfasern die Geschichte
Immer wieder beginnt von Kessel Erzählstränge, die dann im Nirgendwo enden. Ophelia erhält Geigenunterricht von einem renommierten und weltweit geachteten Lehrer. Dieser ist Jude und hat als Jugendlicher Ausschwitz überlebt. Diese Lebensgeschichte ist interessant, doch ist sie für die Haupthandlung völlig irrelevant. Sie bringt die Haupthandlung nicht voran und ist vor allem nicht auserzählt, geht nie in die Tiefe. Während Ophelia mit Rosen und seinen unkonventionellen Methoden konfrontiert wird, stürzt sich Franka in das Leben von New York. Auch hier wird, mit der Beziehung zu einem undurchsichtigen Mann, ein Strang aufgebaut, der dann im Nirgendwo endet. Auch im weiteren Verlauf reißt von Kessel Themen an, die anfängliche Aktionen verursachen und dann einfach enden. Selbst das Geheimnis, das Ophelia und Franka teilen, ist eigentlich nicht relevant. Das lässt die gesamte Erzählung oberflächlich und wenig durchdacht erscheinen.
Zwei sehr unterschiedliche Frauen
Franka und Ophelia könnten nicht unterschiedlicher sein. Die eine ordnet ihr ganzes Leben dem Geigenspiel unter, während die andere aus dem Vollen schöpft und kaum Bodenhaftung hat. Diese Charakterisierung ist von Kessel gut gelungen. Doch als die unterschwelligen Risse in der Beziehung der beiden Cousinen auftreten, tut sich die Autorin schwer, diese wirklich zu erklären. Eigentlich besteht von Beginn ihres Lebens an eine Rivalität und ein Konkurrenzkampf zwischen den Cousinen, doch der wird immer nur angerissen erzählt und hat auf die Figuren fast keinen Einfluss. Sie erfahren keine Weiterentwicklung. Die Familien der beiden leben ebenfalls in einer nur vordergründigen Harmonie, in der Tiefe brodelt es ganz schön. Auch hier werden Stränge eröffnet, die erst sehr prominent erscheinen und dann im Sande verlaufen. Der Tiefgang in der Figurenzeichnung fehlt allen Charakteren und damit wiederum der ganzen Geschichte.
Fazit
Ein Roman, der packend beginnt und dann sehr ins Oberflächliche abdriftet. Zusammen mit wenig Tiefgang in der Figurenzeichnung und zu vielen nur angerissenen Nebensträngen, wird die Geschichte fast schon banal und kann kaum noch fesseln.



Deine Meinung zu »Als der Himmel fiel«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!