Die Kintsugi-Frauen

Die Kintsugi-Frauen
Die Kintsugi-Frauen
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Monika Wenger
801001

Belletristik-Couch Rezension vonOkt 2026

Ein uraltes Handwerk als Metapher für die Heilung seelischer Wunden.

Mao ist eine junge Gymnasiastin, die sich noch nicht viele Gedanken über ihre Zukunft gemacht hat. Sie lebt bei ihrer Großmutter Chie, die eine Meisterin des Kintsugi ist. Kintsugi ist eine alte traditionelle japanische Reparatur- und Veredelungstechnik für Keramik. Das Interesse ihrer Enkelin an diesem Handwerk veranlasst Chie, Mao in die Kunst des Kintsugi einzuführen.

Achtsamkeit und Abenteuer

Yûko wundert sich, dass ihre Tochter plötzlich Interesse an Chies Handwerk zeigt. Sie selbst fand diese Arbeit nie besonders reizvoll. Sie hatte ganz andere berufliche Ziele. Zurzeit arbeitet sie außerhalb von Tokio, weshalb Tochter Mao bei ihrer Großmutter Chie lebt.
Chie führt ihre Enkelin behutsam in die Kunst des Kintsugi, der kunstvollen Reparatur von Keramik, ein. Dabei wird Mao bewusst, wie wenig sie über die Vergangenheit ihrer Großmutter weiß. Durch die gemeinsame Arbeit entsteht eine tiefe Verbindung zwischen den beiden Frauen. Die ältere Chie beginnt, sich ihrer Enkelin gegenüber zu öffnen und aus ihrer Vergangenheit zu erzählen. Mao möchte mehr über die Kintsugi- und Lackkunst sowie ihre Familie erfahren, während in Chie der Wunsch erwacht, an den Ort ihrer Jugend zurückzukehren. So beschließen die beiden, in Chies Heimatort Takayama zu reisen, einst das Zentrum der Lackwarenherstellung. Für die über achtzigjährige Frau wird die Reise ein großes Abenteuer und eine emotionale Rückkehr in ihre Vergangenheit.

Feinfühlig und detailreich

Der Roman nutzt Kintsugi als Metapher. Die Kunst, zerbrochene Keramik zu reparieren und mit Goldpulver zu veredeln, wird zum Symbol für die Heilung seelischer Wunden.

„[…] aber die Bruchlinien wirkten wie ein Teil eines neuen Musters, als hätte das Gefäß seine eigentliche Gestalt erst jetzt gefunden.“

Die japanische Erzählweise verleiht der Geschichte eine einzigartige Tiefe und Symbolik. Dies wird an der Figur der Mao auf eindrückliche Weise deutlich. Über die achtsame Arbeit an zerbrochener Keramik findet sie einen Weg, ihre Familie zu verbinden und sich selbst kennenzulernen. Gleichzeitig entsteht ein eindrückliches, generationenübergreifendes Bild der Stellung der Frau in der japanischen Gesellschaft. Der Roman vermittelt nebenbei ungewöhnliche Einblicke in die Geschichte des Kintsugi und des Lackhandwerks. Die Autorin beschreibt die Arbeitstechniken mit großer Sorgfalt und Detailreichtum.
Es ist faszinierend und beachtlich, wie raffiniert Sanae Hoshio für ihre Geschichte die Symbolik zwischen der Reparaturtechnik und der seelischen Heilung nutzt.

Fazit

Der Roman ist ein stilles Eintauchen in das japanische Lebensgefühl. Der zurückhaltende, aber präzise Schreibstil verstärkt die Wirkung dieser sanften und tiefgründigen Erzählung. Er vermittelt nicht nur Ruhe beim Lesen, sondern öffnet Türen zu faszinierenden Entdeckungen und Einsichten.

Die Kintsugi-Frauen

Sanae Hoshio, Limes

Die Kintsugi-Frauen

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