Die Geschichte ist faszinierend, erreicht aber nicht die Wirkung des ersten Teils der Trilogie.
Der zweite Teil von Ingeborg Arvolas Eismeertrilogie „Zeit der Wale“ beginnt exakt dort, wo der erste Teil endete. Brita Caisa und Mikko sitzen wegen Ehebruchs im Gefängnis von Vesisaari. Da sie die Geldbuße nicht bezahlen konnten, müssen sie die Strafe absitzen.
„Angeklagt waren wir wegen Ehebruchs und unzüchtigen Zusammenlebens, aber das zweite konnten sie nicht beweisen, und so ist Mikko noch einmal um das Zuchthaus herumgekommen.“
Schwierige Zeiten
Nach der Verbüßung der auferlegten Strafe könnte Mikko ohne Weiteres zu seiner Ehefrau Gretha Lisa zurückkehren. Doch er will nach Pykeijä gehen und dort eine Holzhütte für sich und die schwangere Brita Caisa bauen. Vorerst ist es für ihn jedoch unmöglich ein Grundstück zu erwerben, da er noch mit einer anderen Frau verheiratet ist. In der Öffentlichkeit dürfen sich Brita und Mikko weder als Paar zeigen, noch zusammenwohnen. Beide arbeiten hart für ihr gemeinsames Leben, leiden aber unter dem Verhalten der Gesellschaft. Besonders Brita, da sie unverheiratet ist, Kinder hat und übernatürliche Fähigkeiten besitzt.
Unterdessen ist ihre und Mikkos Tochter Marja zur Welt gekommen, und ihr jüngerer Sohn Heikki lebt wieder bei ihr. Tante Elsi, ihre Familie und Freunde unterstützen Brita und helfen, wo sie können.
Was Brita und Mikko jedoch nicht ahnen, ist Gretha Lisas Hass auf die Ehebrecherin und ihre kleine Tochter. Sie unternimmt alles, um das Glück der jungen Familie zu zerstören.
Schnörkellos und bildhaft
Ingeborg Arvola gelingt es erneut, die Atmosphäre Nordnorwegens einzufangen. Als Ich-Erzählerin lässt sie ihre Protagonistin von den erneuten Schwierigkeiten berichten. Die einfache Lebensweise und das Funktionieren der Gesellschaft werden erneut deutlich. Auch der Einfluss der Kirche, sowie die uralten heidnischen Bräuche finden ihren Weg in die Geschichte.
Die Bewohner des Eismeeres entdecken den Walfang als neue Einnahmequelle. Allerdings ist dieser noch sehr brachial und äußerst gefährlich. Außerdem greift Arvola die zahlreichen Auswanderungen nach Amerika in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Es ist ein hoffnungsvoller Aufbruch in ein anderes, vielversprechendes Land.
„Die Kvenen waren mit die Ersten, die in den 1860er-Jahren aus Nordnorwegen nach Amerika aufbrachen. Die Auswanderungswelle begann mit zwei Segelschiffen von Tromsø nach Quebec, von dort ging es weiter ins Copper Country in Michigan.“
Auch der zweite Band der Eismeer-Trilogie besticht durch seine schnörkellose Sprache und den Blick auf das Übernatürliche. Obwohl in diesem Teil die Natur und die nordischen Rituale ebenfalls beschrieben werden, geschieht dies nicht so eindringlich wie im ersten Buch der Trilogie. Die Beschreibungen sind zwar realistisch und äußerst bildhaft, aber nicht ganz so intensiv und fassbar. Zudem wiederholt Ingeborg Arvola Brita Caisas Trennungsangst von Mikko etwas zu oft. Von Anfang an ist klar, dass sie um ihr Glück bangt und kämpft, was nicht immer wieder erwähnt werden muss. Trotzdem faszinieren die klare Ausdrucksweise und die Darstellung eines von harter Arbeit bestimmten Lebens.
Um die wesentlichen Zusammenhänge und das Handeln der einzelnen Personen nachvollziehen zu können, ist es empfehlenswert, den ersten Teil der Reihe zu lesen.
Fazit
Wie so oft erreichen die Fortsetzungen nicht ganz das Niveau ihres Vorgängers. So ist es auch mit dem zweiten Band der Eismeer-Trilogie. Die Einbindung der Natur und des Übernatürlichen als Bestandteil der nordischen Kulturen prägen die Erzählung und schaffen eine besondere Atmosphäre. Die Lektüre wirkt bedächtiger und die Autorin richtet den Fokus noch mehr auf die Ich-Erzählerin und ihre Trennungsangst, die zu präsent bleibt. Aber die Geschichte fasziniert.




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