Restsommer

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Marianne Schäper-Mürmann
951001

Belletristik-Couch Rezension vonJun 2026

Der Sommer des Erwachsenwerdens.

Eigentlich ist Dominiks Zukunft klar – nach der Schule wird er, wie von allen erwartet, das Bestattungsunternehmen seines Vaters in der niedersächsischen Provinz übernehmen, so wie dieser vor Jahren von seinem Vater. Doch in diesem heißen Sommer des Jahres 2003 beschleichen den 16-jährigen mehr und mehr Zweifel, ob das wirklich sein Leben sein soll. Als dann Biff, der unangepasste, lässige Neue in seiner Klasse auftaucht, verändert sich für Dominik auf einmal alles.

„…ich frage mich, ob das Leben nicht so viel mehr sein müsste. Ob man nicht ständig etwas tun müsste, das man wirklich liebt. Das einen einsaugt und durchflutet, und irgendwann wird man wieder ausgespuckt, und zwischendurch hat man einfach die beste Zeit.“

Dominik kennt sich aus mit dem Sterben, schon früh hat er seinem Vater geholfen, Leichen für die Bestattung zu präparieren. Ohne jegliche Berührungsängste, immer angemessen respektvoll, wird das Thema Tod im Roman behandelt. Gerade hier zeigt die Autorin ihren Sinn für Humor und nimmt dem Thema so die Schwere. Wie es sich mit dem Leben verhält, ist Dominik allerdings nicht klar. Er möchte sich lebendig fühlen, Dinge ausprobieren statt sich wie im „Vorzimmer des Lebens“ zu fühlen und seine Zukunft ereignislos und vorhersehbar in der Kleinstadt zu vertun. Jedoch hat er Angst, seinen Vater damit zu enttäuschen, dem Dominiks Eintritt in die Firma nicht schnell genug gehen kann. Dominik befürchtet, dass sein Vater wie vor einem Jahr, als seine Mutter plötzlich auszog, wieder in eine tiefe Krise fallen könnte.

„Plötzlich fühlt sich die Welt an wie ein weiter Raum, erweitert um den Zauber, der Biff umgibt.“

Als Biff in seine Klasse kommt, fühlt sich Dominik sofort zu ihm hingezogen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung, in deren Verlauf Dominik sich selber nicht mehr kennt, so überraschend ist alles für ihn. Er ist glücklich mit Biff, kann aber mit niemandem darüber reden, da seine Gefühle nicht in seine bisherige Welt zu passen scheinen.

Mehr und mehr entfernt er sich von seinen langjährigen Freunden, entzieht sich seinem Vater und vernachlässigt die Schule. Als das Bemühen der Jungen, ihre Liebe geheim zu halten, scheitert und Biff der Wechsel in ein weit entferntes Internat droht, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu.

Wohltuend behutsam, mit feinfühliger Sprache und atmosphärisch dicht, entwickelt die Autorin die Liebesbeziehung zwischen den beiden Jungen. Die Charaktere, allen voran der Ich-Erzähler Dominik, sind wunderbar facettenreich angelegt und wirken ebenso authentisch wie die Schilderung des Lebens der Jugendlichen in der Provinzstadt. Der Autorin gelingt es in beeindruckender Weise, die Leserschaft in das Geschehen eintauchen zu lassen.

Fazit

Fesselnder, feinfühlig erzählter Coming-of-Age Roman, der inhaltlich und sprachlich vollständig überzeugen kann. Ein großartiges Romandebüt!

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