Sonnenberg

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  • Erschienen: Juli 2026
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Marianne Schäper-Mürmann
651001

Belletristik-Couch Rezension vonAug 2026

Zurück in die Siebzigerjahre – Atomkraft nein danke und Frauenbewegung in der badischen Provinz.

Der Roman spielt in den Monaten Januar bis April 1975 vor dem historischen Hintergrund des Protestes gegen das in Wyhl geplante Atomkraftwerk. Der Widerstand der Bürger, Freiburger Studenten, Winzer, Bauern und Fischer spitzte sich in der Zeit zu, es kam zur Besetzung, Räumung und erneuten Besetzung des Geländes. Der Bau des Atomkraftwerkes konnte letztlich verhindert werden. Wyhl steht seitdem für den Beginn der Umwelt- und Anti-Atomkraftbewegung in Deutschland.

Charaktere ohne Nachhall

Die Protestbewegung bildet den Rahmen für die Romanhandlung um die junge Winzerin Johanna und ihre Freundin Luzie. Nach dem Tod ihres Vaters hat Johanna ihr Studium abgebrochen und den elterlichen Winzerbetrieb übernommen. Die Situation ist nicht einfach für sie, denn sie muss sich gegen die bestehenden Vorurteile gegenüber Frauen in diesem Beruf und ihrer Situation als ledige Mutter zur Wehr setzen. Der drohende Bau des Atomkraftwerkes lässt sie um ihre Existenz fürchten, da die Gefahr von Pilzerkrankungen der Reben aufgrund der zu erwartenden erhöhten Nebelbildung durch die Kühltürme steigt und die wichtigen Sonnenstunden im Herbst reduziert werden könnten, von den grundsätzlichen Risiken der Atomenergie ganz zu schweigen. Gründe genug für sie, die Proteste gegen das Atomkraftwerk zu unterstützen. Auch Luzie, ihre Freundin seit Kindertagen, schließt sich nach ihrer Rückkehr von einem längeren Aufenthalt in Marokko dieser Bewegung mit Eifer an. Neben ihrem Engagement für die Protestbewegung muss sich Luzie mit dem Versuch, sie wegen eines Rauschgiftdeliktes bei ihrer Einreise in Deutschland zu erpressen, auseinandersetzen. Dies stellt ihre Freundschaft mit Johanna vor eine Zerreißprobe.

Auch wenn die Autorin die Siebzigerjahre überaus detailreich auferstehen lässt, können die beiden Hauptfiguren nicht überzeugen. Sie bleiben vielmehr klischeehaft und auch die Handlung wirkt konstruiert, teilweise banal und hat einige Längen.

„Außerparlamentarische Opposition wurde nicht mehr in den Hörsälen der Universitäten, sondern in den Dörfern des Kaiserstuhls erprobt.“

Die Schilderung der Protestbewegung, insbesondere der Besetzung des Baugeländes ist für mich dagegen recht gelungen. Das aufkommende Umweltbewusstsein, ein neues Demokratieverständnis und die sich immer mehr nach vorn drängende Frauenfrage werden hier ansprechend thematisiert. Die Autorin zeigt die verschiedenen beteiligten Gruppen, deren Bemühen um gewaltlosen Protest, die gleichberechtigte Behandlung der vielen engagierten Frauen und das nicht einfache Leben im provisorischen Protestcamp. Die Wirksamkeit ihres Protestes gegen die Politik der bisherigen Machthaber war nicht nur für die Kaiserstuhlbewohner:innen, sondern weit darüber hinaus, eine grundlegend neue und ermutigende Erfahrung.

Fazit

Die Protestbewegung um das geplante Atomkraftwerk Wyhl ist anschaulich und interessant geschildert, die Handlung um die beiden Freundinnen Johanna und Luzie kann dagegen nicht überzeugen. Leider bleibt der Roman hinter den Möglichkeiten seiner vielversprechenden Thematik zurück.

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