Eigenbrötler entdecken den Wert der Gemeinschaft.
Pina hat ihr ganzes Leben auf ihren Sohn Leo ausgerichtet. Er hat seine Eigenheiten. Wenn man diese im täglichen Ablauf berücksichtigt, und das tut Pina, läuft alles gut. Doch die Verantwortung für ihr Kind und den Alltag ist riesig. Zu viel für die alleinerziehende Mutter eines autistischen Jungen.
Eine besondere Gemeinschaft
Nach ihrem Zusammenbruch auf der Strasse liegt Pina lange Zeit auf der Intensivstation. Niemand weiss von Leo, ausser Pinas Nachbarn im Wohnhaus. Als die Hausbewohner realisieren, dass Pina so schnell nicht nach Hause kommen wird, bricht beinahe Panik aus. Sie durchforsten ihr Gedächtnis und befragen Leo, soweit möglich, ob Pina ihnen nicht einmal von Verwandten erzählt hat. Doch es gibt scheinbar einfach niemanden, der sich um den Jungen kümmern könnte.
«Es ist eine grosse Aufgabe, die Welt für jemanden passend zu machen, die nicht für ihn geschaffen ist. Und da sind sie nun. Eine alte Frau, ein wütendes Mädchen und ein Einsiedler, das ist alles, was diesem Jungen bleibt. Drei schräge Vögel.»
Ganz allmählich beginnt die Hausgemeinschaft, sich zu arrangieren. Aus einem riesigen Durcheinander und allseitiger Überforderung entsteht unerwartet eine Gemeinschaft. Mit jedem Tag, der vergeht lernen sie Leos Eigenheiten besser zu verstehen. Jeder übernimmt einen Aufgabenbereich. Und wie selbstverständlich erkennen sie auch ihre eigenen Bedürfnisse und öffnen sich. Nicht nur Leo gegenüber.
Ein Mensch genügt
In ihrem Roman «Pina fällt aus» verarbeitet Vera Zischke eine Vielzahl von Themen. Sie beschreibt das Leben mit einem autistischen Kind und die vielfältigen Herausforderungen, die damit verbunden sind. Und sie zeigt die Folgen auf, wenn eine wichtige Person plötzlich ausfällt. Das ist der Kern der Geschichte. Aber sie greift auch Themen wie die altersbedingte Einsamkeit, den sozialen Rückzug oder die Suche nach dem eigenen Weg auf.
Mit viel Respekt und Gefühl lässt sie ihre Figuren agieren. Es sind die Figuren, die die Geschichte so besonders machen. Ihre Entwicklung, von Eigenbrötlern zu einer Gemeinschaft, berührt und lässt an das Gute glauben.
«Dann versteht er. Ein Mensch genügt. Ein Mensch, der einem das Gefühl gibt, dass es nicht egal ist, ob man lebt oder nicht. Ein Mensch, der zuhört. Ein Mensch genügt, um die Einsamkeit auszuhalten, um die eigene Existenz nicht für einen einzigen grossen Irrtum zu halten. Ein einziger Mensch.»
Vera Zischkes Schreibstil ist weder dramatisch noch übermässig gefühlvoll, sondern eher zurückhaltend. Und genau das verstärkt die Wirkung des Gelesenen. Ausserdem rücken Perspektivwechsel andere Sichtweisen in den Fokus. Das bringt Abwechslung. Die Spannung besteht im Grunde darin, zu erfahren, ob und wie alles funktionieren kann und wie die Geschichte endet.
Fazit
Vera Zischkes Roman «Pina fällt aus» ist ein Roman, der berührt und zum Nachdenken anregt. Das Buch besticht durch die Art, wie die Autorin mit den verschiedenen Themen umgeht, ohne sie zu verharmlosen. Gefühl, Respekt und feiner Humor finden in der richtigen Dosis Eingang in die Geschichte. Eine Geschichte über Personen, die nicht gängigen Vorstellungen entsprechen. Gerade deshalb ist die Erzählung besonders lesenswert.



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