Ein weites Leben

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Monika Wenger
951001

Belletristik-Couch Rezension vonApr 2026

Im Leben gibt es nicht immer Antworten – aber immer einen Weg.

Zehn Jahre sind seit dem Romandebüt «Zwischen den Meeren» von M. L. Stedman vergangen. Nun ist ihr neuer Roman «Ein weites Land» erschienen. Im Mittelpunkt stehen sowohl die grossartige Landschaft Westaustraliens als auch die Familie MacBride, die etliche Tragödien durchstehen muss. Eine Geschichte wie eine Naturgewalt.

Familiäre Katastrophen

Die Rückkehr von Phil MacBride und seinen Söhne Warren und Matt in einem Pritschenwagen voller Schafe endet in einer Katastrophe. Bei dem Zusammenstoss mit einem Känguru sterben der Vater und der älteste Sohn. Allein Matt überlebt schwer verletzt. Die Familie – Mutter Lorna und Tochter Rosie – versucht, die riesige Schaffarm Meredith Downs weiterzuführen und gleichzeitig Matt bei seiner Genesung zu unterstützen. Seine körperlichen Verletzungen heilen, doch er kämpft noch lange mit den Folgen des Hirntraumas.

«Es ist, als wäre ich gar kein Mensch, sondern nur eine Geschichte, die mir jemand anderes erzählen muss.»

Die Familie erhält wertvolle Unterstützung von Miles Beaumont, dem Verwaltungspraktikanten aus England, und von Pete Peachey, dem geheimnisvollen Kängurujäger.
Doch nicht nur für Matt ist es ein täglicher Kampf. Auch seine Schwester Rosie leidet unter dem Verlust des Vaters und des grossen Bruders. Sie war schon immer eine rebellische und draufgängerische Person, doch durch die Tragödie hat sich etwas in ihr verändert. Hin- und hergerissen zwischen dem Pflichtgefühl gegenüber der Familie und dem Drang, ihr eigenes Leben zu leben, sucht sie ihren Platz.

Generationen und Naturgewalten

Der Roman, der in den 1950er Jahren beginnt, handelt vom Leben und den Herausforderungen in der weiten Landschaft Westaustraliens und bindet dabei die Familiengeschichte der MacBrides mit ein. Seit Generationen leben sie auf diesem Land, auf Meredith Downs, kümmern sich um ihre Schafe und ihre Weiden. Die Distanzen zwischen den Farmen, Weiden und Schafskoppeln sind riesig. Nachrichten finden nur verzögert ihren Weg. In diesem Umfeld erlebt die Familie Herausforderungen, die nur schwer zu bewältigen sind und sie und ihr Umfeld auf eine harte Probe stellen.

Die Autorin erzählt von den Menschen, die in dieser Weite gelernt haben, mit der Natur zu leben und sich gegenseitig zu helfen. Sie beschreibt einen gewaltigen Sturm, der mit seiner Wucht alles zerstört, was ihm in die Quere kommt. Er ist so stark, dass er sogar die oberste Bodenschicht abträgt und damit die Nahrungsquelle der Schafe vollständig zerstört. Diese Naturgewalten sind nicht nur dramatische Ereignisse, sie sind Symptome tieferer Veränderungen.

M.L. Stedmans Roman besticht durch seinen sprachlichen Reichtum und die Ruhe, die von ihm ausgeht. Die Zeit schreitet kontinuierlich auf Meredith Downs voran und erzählt vom Schicksal der Menschen, die dort wohnen und die langsam anbahnenden Veränderungen akzeptieren müssen. Diese erzählende Ruhe unterbricht die Autorin mit bewusst eingesetzten Spannungselementen. Sie ergänzt die Beschreibungen der Natur mit den Tragödien einzelner Personen. Die Schicksalsschläge gehen zu Herzen, und das eine oder andere ist nicht leicht anzunehmen. Die gewaltige Naturlandschaft Westaustraliens und ihre Dimensionen setzen einen wohltuenden Kontrapunkt.

Fazit

In diesem grossartigen Roman erzählt M.L. Stedman beinahe sachlich eine besondere Familiengeschichte. Dadurch erreicht sie eine besondere emotionale Tiefe. Es ist eine Geschichte ohne Pathos, die jedoch eine grosse Nähe zu den Figuren aufbaut. Und genau das zeichnet diesen faszinierenden Roman aus.

Ein weites Leben

Margot L. Stedman, Blanvalet

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