Die Fahrt der Salem

  • Lenos
  • Erschienen: November 2025
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Die Fahrt der Salem
Die Fahrt der Salem
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Carola Krauße-Reim
921001

Belletristik-Couch Rezension vonMär 2026

Spannend wie ein Krimi.

Am 17. Januar 1980 geriet der Supertanker „Salem“ vor der westafrikanischen Küste in Seenot und sank. Bald kam der Verdacht eines Versicherungsbetruges auf. Die gerettete Besatzung hatte Proviant, Koffer und andere zu verkaufende Gegenstände bei sich, obwohl das Schiff schnell gesunken sein soll. Aber vor allem der fehlende Ölteppich, der bei einer Ladung von fast 200.000 Tonnen Rohöl zu erwarten gewesen wäre, bleibt aus. Dazu kam, dass ein geretteter Seemann von Betrug gesprochen haben soll.

Der Autor

Pascal Janovjak wurde 1975 in Basel geboren, lebt heute in Rom und schreibt seine Romane auf Französisch. „Le Zoo de Rome“ (2019), war sein erster Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde. Er fand großen Anklang, was hoffen lässt, dass alle weiteren bisher erschienen Werke übersetzt werden. Mit „Die Fahrt der Salem“ hat Janovjak einen Schlüsselroman geschaffen, der sich an der Tatsache des Versicherungsbetruges orientiert und gleichzeitig den unbekannten ehrlichen Seemann zum Leben erweckt.

Spannung ist garantiert

Obwohl man von Anfang an weiß, was passieren wird, ist die „Fahrt der Salem“ so spannend wie ein Krimi. Der Betrug wird nüchtern und abgeklärt dargestellt. Die Mächtigen hinter den Handlangern auf dem Tanker ziehen Strippen und zeigen, wie dreckig das Geschäft rund um das Öl sein kann und wie wenig der Mensch dabei zählt. Doch der Roman ist kein Selbstläufer. Obwohl man weiß worauf alles hinausläuft, bedarf es der Aufmerksamkeit beim Lesen, denn einfach nur lapidar herunter erzählt ist die Geschichte nicht.

Verschiedene Perspektiven

Janovjak erzählt die Reise aus unterschiedlichen Perspektiven. Da ist der Schriftsteller, der während der Pandemie auf die Idee kommt, zu diesem Fall zu recherchieren, um aus diesen Recherchen ein Buch schreiben zu können. Und da ist der tunesische Seemann, der Tagebuch schreibt und uns in die Erlebnisse auf der Salem einweiht. Beide Perspektiven wechseln sich ab, wobei die Tagebucheintragungen manchmal etwas zu elaboriert sind für einen Seemann ohne nennenswerte Schulbildung. Dennoch lernt man so einiges über das Leben auf einem Supertanker. Das ständige Rostklopfen; die Enge verbunden mit permanenter Gemeinschaft; die Sehnsucht nach der Familie und das soziale Gefälle zwischen Seemännern und Offizieren werden eindrücklich geschildert.

Gleichzeitig werden wir in die Zeit der Pandemie zurückversetzt. Der Autor in der Geschichte erlebt die Lockdowns in Rom, muss die Distanz zu Frau und Tochter in Triest aushalten. Die Konsequenzen des einsamen Lebens in seiner Wohnung, seine Gedanken und das ständige Aufschieben der Schreibarbeit geben der Geschichte eine zweite Ebene. Beide Perspektiven ergeben einen Roman, der zeigt, wie es gewesen sein könnte, als ein Supertanker samt Ladung zu einem Betrugsobjekt wurde und die Besatzung ohne, dass sie es wollte und sich wehren konnte zu Handlangern für die Bosse im Hintergrund herhalten musste.

Fazit

Eine Geschichte, die mit Realität, Fiktion, Lüge und Wahrheit spielt. Pascal Jancovjak ist mit „Die Fahrt der Salem“ ein Roman gelungen, der genauso spannend ist wie ein Krimi und den man nur schwer aus der Hand legen kann.

Die Fahrt der Salem

Pascal Janovjak, Lenos

Die Fahrt der Salem

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