Die Frauen der Familie Flores
- hanserblau
- Erschienen: August 2025
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Frauenpower auf zwei Zeitebenen!
Die Männer der Familie Oliveira wurden verflucht – sie alle sollten über viele Generationen hinweg eines frühen Todes sterben. Da half es auch nichts, dass man den Familiennamen in Flores änderte, die Männer raffte es dennoch jung dahin. Zurück blieben die Frauen, die ihren Lebensunterhalt mit filigranen Spitzenstickereien verdienten. So traurig es ist, im frühen 20. Jahrhundert und in der brasilianischen Provinz, als Frau ohne Mann zu sein, so frei waren „die Frauen der Familie Flores“ auch. Sie entschieden selbst, was gut und was schlecht für sie war und zusammen mit den anderen Stickerinnen lebten sie in einer unschlagbaren Solidargemeinschaft. Doch dann wurde eine der jungen Stickerinnen zu einer Ehe gezwungen, die sie nur anwiderte. Um unzensierte Botschaften an ihre beste Freundin Inês Flores zu schicken, entwarf sie einen Muster-Code, mit dem sie nun ihre gestickten Produkte versah. Auch ihren Fluchtplan teilte sie so durch einen Schleier der Freundin mit. Fast 100 Jahre später erbt die junge und rebellische Alice diesen Schleier und begibt sich auf die Spur der Vorfahrrinnen.
Ein einfühlsames Debüt
Die Brasilianerin Angélica Lopes schreibt seit mehr als zwanzig Jahren beliebte und preisgekrönte Jugendromane. „Die Frauen der Familie Flores“ ist ihr erstes Buch für Erwachsene und man muss sagen, dass ihr das Debüt gelungen ist. Auf zwei, sich stets abwechselnden, Zeitebenen beschreibt sie das Streben der Frauen nach Unabhängigkeit.
„Den stickenden Frauen ihrer Familie war es gelungen, sich in einer Zeit zu wehren, in der Frauen keine Stimme hatten – oder zumindest viel weniger Rechte als heute.“
Zwar wurden in den Jahren 1918 und -19 die Töchter und Ehefrauen vielleicht noch mehr von den Männern der Familie dominiert, doch im Jahr 2010 sind Femizide, physische und psychische Gewalt gegen Frauen immer noch an der Tagesordnung. Diesen Umstand webt Lopes ebenso unterschwellig und geschickt in das Geschehen ein, wie Eugênia ihren Schmerz in den Schleier. Deren Leidensweg dominiert das Geschehen 1918 und -19. Er ist traurig und spannend zugleich und endet in einer unglaublichen Tragödie. Alice erfährt davon 2010 und weiß die Kraft einer Gemeinschaft von Frauen für sich und die Gesellschaft zu nutzen.
Ein Pageturner der Extraklasse
Auch wenn man sich nicht unbedingt als Feministin sieht, weiß man dennoch, dass die absolute Gleichstellung auch heute noch theoretisch ist. Lopes schafft es, diesen Umstand in ihre Geschichte zu packen, die dadurch eine intensive Tiefe erlangt. Zusammen mit dem Fluch und der Spitzenstickerei als Medium für eine Botschaft, schafft sie ein Ambiente, das durch die Atmosphäre des ländlichen Brasiliens ergänzt, packend und bis zum Schluss spannend ist. Der an sich eingängige Schreibstil holpert manchmal ein wenig, was aber auch an der Übersetzung aus dem Portugiesischen liegen mag, sorgt aber dennoch, zusammen mit dem Plot dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.
Fazit
„Die Frauen der Familie Flores“ ist ein einfühlsames und packendes Buch über Frauenrechte und weiblichen Zusammenhalt. Angélica Lopes ist ein Debüt gelungen, das man nur weiterempfehlen kann – auch Männern – und, das noch lange zum Nachdenken anregt.


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