Durch das Raue zu den Sternen
- Klett-Cotta
- Erschienen: Juli 2025
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Ein Roman wie eine Sinfonie, die leise nachhallt.
Die dreizehnjährige Arkadia Fink, die von den meisten nur Moll genannt wird, hat es nicht einfach im Leben: Ihre Mutter ist seit beinahe neun Monaten verschwunden, ihr apathischer Vater leidet unter der Situation und geht oft zum Weinen in seine Schreinerei. Auch in der Schule fühlt sie sich nicht wohl und absentiert, wie ihr Deutschlehrer zu sagen pflegt. Statt mit Freunden die Pause zu verbringen, schottet sich die eigenwillige Arkadia mit Kopfhörern ab und lauscht den Klängen Beethovens. Denn das Mädchen ist musikalisch hochbegabt und besitzt darüber hinaus eine große Fantasie. Die Liebe zur Musik hat sie von ihrer Mutter geerbt, einer extravaganten, erfolglosen Komponistin, die davon überzeugt ist, dass Beethoven eine Frau war.
Arkadia ist eine Außenseiterin im kleinen bayrischen Ort, in dem sie aufwächst. Aber sie hat große Ziele: Sie möchte als überragende Persönlichkeit in die Musikgeschichte eingehen. Gleichzeitig kämpft das Mädchen gegen den Verlust der geliebten Mutter an. Arkadia glaubt fest daran, dass ihre Mutter zurückkehren wird, wenn der weltberühmte Knabenchor in München sie aufnimmt und sie auf der großen Bühne singen kann. Doch dieser Wunsch scheint unerfüllbar, hat doch noch nie ein Mädchen in diesem Chor gesungen. Aber Arkadia denkt nicht daran aufzugeben.
Ehemaliger Chorknabe
Der 1982 in München geborene Christopher Kloeble wuchs im oberbayerischen Königsdorf auf und besuchte das Gymnasium in Bad Tölz. Schon früh besaß er - wie seine Protagonistin Arkadia - eine große Liebe zur Musik und war mehrere Jahre Mitglied im Tölzer Knabenchor.
Kloeble wurde für seine Werk (fünf Romanen, einem Erzählband und ein Memoir) mehrfach ausgezeichnet. Er verfasst auch Drehbücher, wurde für den Prix Europa nominiert, war Stipendiat der Münchner Drehbuchwerkstatt, schreibt für diverse Zeitungen (u.a. Die Zeit, die FAZ) und war Gastprofessor in Cambridge, Hongkong sowie an verschiedenen Universitäten in den USA. ,,Durch das Raue zu den Sternen'' ist sein erster Roman beim Klett-Cotta Verlag.
Schmerz und Liebe
Arkadia fällt es schwer, über den Verlust der Mutter hinwegzukommen. Nur die Musik hilft hier zeitweise und spendet Trost. Denn wenn sie der geliebten Musik lauscht, ist sie bei ihrer Mutter. Sie ist ihr so nah, dass es eigentlich gar nicht sein kann, dass diese nicht da ist. Gleichzeitig hegt das Mädchen aber auch Suizidgedanken, aber auch hier rettet sie die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit der Mutter.
Die Begegnung mit einer Gesangslehrerin in der Schule, die auf der Suche nach neuen Stimmen für den Knabenchor ist, verändert Arkadias Leben. Mit starkem, unbändigem Willen kämpft sie für ihre Aufnahme, auch wenn sie in keiner Weise erwünscht ist. Sie will allen beweisen, dass sie alles sein kann, was sie will, und sprengt damit auch gesellschaftliche Normen und Tabus. Wie die titelgebende Redewendung (Per aspera ad astra), die auf ein Zitat aus Senecas Tragödie ,,Hercules furens'' zurückgeht, verdeutlicht, ist es für Arkadia kein leichter Weg aus den Widrigkeiten ihres Lebens bis zu ihrem Ziel: die Wiedervereinigung mit ihrer Mutter.
Sprachvirtuosität
Tatsächlich ist es der Ton der Erzählweise, der den Roman trägt. Kloeble unterteilt sein Werk vergleichbar wie eine Sinfonie zunächst in vier Sätzen. Diese Kapitel sind Mal ruhig, nehmen aber immer wieder Tempo auf, sind mal laut, mal leise. Wie bei Beethovens Sinfonien überrascht Kloeble mit der Handlung, wenn man denkt, dass man den Kern erfasst hat. Und so ist sogar ein fünfter Satz notwendig, weil es auch zum Charakter Arkadias passt, Regeln zu ignorieren. Und so entsteht ein Roman, der sprachlich voller Eleganz und Wärme ist und deswegen atmosphärisch so dicht erscheint. Selten sind Tragik und Komik in einem deutschen Roman der Gegenwart so elegant eine Symbiose eingegangen, ohne kitschig zu wirken, wie in Kloebles neustem Werk.
Fazit
,,Durch das Raue zu den Sternen" ist einfach ein literarisches Wunder. Man liest den Roman nicht nur, man spürt ihn im Inneren. Ein Buch, das die ganze Klaviatur der Gefühle bedient: Trauer, Wut, aber auch Hoffnung und Glück. Am Ende geht es aber um die Kraft der Musik und des Glaubens, mit dem alles möglich erscheint. Mit Arkadia schafft Kloeble eine bezaubernde Protagonistin, der man gerne zuhört. Einfach ein berührender Roman.

Christopher Kloeble, Klett-Cotta

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