Das unglaubliche Talent der Bailey Dowery
- Harper Collins
- Erschienen: November 2025
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Die Atmosphäre punktet.
Thrisha R. Thomas widmet sich, in inzwischen vierzehn Romanen, den schwarzen Frauen in Amerika. Mit ihrer Erzählkunst entführt sie die Leserschaft in die Zeit der Rassentrennung, die erst am 2.6.1964 mit dem Civil Rights Act verboten wurde. Obwohl ihre Bücher diverse Preise erhielten und eine Roman-Serie sogar verfilmt wurde, ist „Das unglaubliche Talent der Bailey Dowery“ das bisher einzige, das auf Deutsch erschienen ist.
Mendol, Oklahoma 1954
Bailey Dowery ist Schneiderin der Ölbarone von Mendol. Neben ihrer Perfektion hat sie noch eine besondere Gabe. Sobald sie ihre Kundinnen berührt, sieht sie deren Vergangenheit und innersten Wünsche. Diese Sehergabe ist für jede Frau problematisch, doch für eine schwarze Amerikanerin im Jahr 1954 erst recht. Als Elsa Grimes ihr Brautkleid bei Bailey anfertigen lassen will, sieht diese ein schreckliches Ereignis, das Elsas ganzes Leben beeinflussen könnte. Bald darauf wird Elsa als Mörderin verdächtigt und Bailey sieht sich Lügen, Geheimnissen und der schweren Bürde ihrer Gabe ausgesetzt.
Schwache Handlung, starke Atmosphäre
Sehr schnell wird klar, wie die Geschichte sich entwickeln wird. Hier setzt Thomas einfach zu sehr auf ausgetretene Pfade. Das lässt die Handlung sehr schwach, fast schon trivial erscheinen. Dennoch sollte man das Buch nicht abschreiben, denn die Atmosphäre rettet so einiges. In Oklahoma, ein Staat im Mittleren Westen der USA, ist die Rassentrennung allgegenwärtig. Es gibt Stadtteile für Weiße und solche für Schwarze, das ganze öffentliche Leben ist von der Trennung nach Hautfarbe bestimmt. Schwarze Mitbürger führen ein anders, untergeordnetes Leben. Gerade die Frauen sind besonders benachteiligt, was aber nicht nur schwarze, sondern auch weiße Frauen in ihrem Umfeld betrifft. Die Rolle der Frau, die Klassengesellschaft und die Rassentrennung beschreibt die Autorin fesselnd, authentisch und erschreckend deutlich. Das ist der große Pluspunkt des Romans.
Die Charaktere
Oft erscheinen die Charaktere zu pointiert und zu gegensätzlich. Doch vielleicht war es 1954 in Amerika wirklich so, als die soziale Stellung viel galt und vor allem zu bewahren war. Keiner durfte das Gesicht verlieren, reiche Familien, wie die von Elsa schon gar nicht. Auch in den schwarzen Communities musste man sich Normen unterwerfen, was vor allem Baileys Tante beherzigen musste. So kann man die Figuren vielleicht doch als realistisch aber extrem gegensätzlich bezeichnen. Elsas Mutter Ingrid ist durchsetzungsstark und sehr auf ihr Ansehen bedacht, während Elsa ausbrechen will. Dagegen ist Bailey diejenige, die sehr auf Konventionen setzt, während ihre Tante eher das Gegenteil ist. Ob überzogen oder nicht - die Charaktere schaden jedenfalls dem Geschehen nicht, unterstreichen es aber sehr deutlich. Schade ist dagegen, dass in der heutigen Zeit anscheinend kein Roman mehr ohne die Frage nach sexueller Identität auskommen kann und die Autoren und Autorinnen sich scheinbar fast schon gezwungen sehen, zumindest ein homosexuelles Paar in die Handlung einzubinden. So auch im vorliegenden Buch, wobei man zugeben muss, dass damit hier die Rassentrennung komplett ad absurdum geführt wurde.
Fazit
Ein Roman, der vor allem durch die Atmosphäre der USA während der Rassentrennung punktet. Auch wenn die Handlung ziemlich vorhersehbar ist, sollte man „Das unglaubliche Talent der Bailey Dowery“ gerade deshalb dennoch lesen. Bleibt zu hoffen, dass alle bisher veröffentlichten Bücher von Trisha R. Thomas auch auf Deutsch erscheinen werden und wir somit noch mehr Einblicke in das Leben vor dem Civil Rights Act erhalten.

Trisha R. Thomas, Harper Collins

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