Roadtrip in die Vergangenheit.
„Bist du bereit, Pa?“ mit diesen Worten eröffnet Grace das allabendliche Einschlafritual für ihren dementen Vater Jack. Gemeinsam hören sie eine alte Tonaufnahme des britischen Seewetterberichtes, die keine Gefahren für die Schifffahrt zu vermelden hat. Jack kann so ruhig in den Schlaf finden, da für seinen Sohn Michael offenbar keine Gefahr auf See droht. Seit dem Untergang seines Schiffes vor 20 Jahren ist Michael verschollen. Jack belastet die Ungewissheit über Michaels Schicksal und noch immer hofft er, dass sein Sohn noch lebt.
Hoffnungen und neue Probleme
Grace ist nach dem Scheitern ihrer Ehe und dem tragischen Tod ihres Sohnes vor Jahren zurück auf die elterliche Farm in Wales gezogen. Die Sorge für ihren Vater, ihre Arbeit und die Farm lassen ihr keine Zeit, um über ihre geplatzten Lebensträume nachzusinnen. An diese dunklen Kapitel ihres Lebens will sie nicht rühren.
Als eines Tages die junge Malin auf die Farm kommt und Nachweise für ein mögliches Überleben Michaels mitbringt, begeben sich Grace, Jack und Malin kurzentschlossen auf die Suche nach Michael. Anrührend ist der Autorin die Schilderung der Beziehung zwischen Grace und ihrem Vater gelungen. Sie zeigt, wie fordernd die Pflege dementer Angehöriger ist, aber auch welch herzliche und zärtliche Momente darin zu finden sein können.
Parallel zu dem aktuellen Geschehen um Grace und Jack berichtet Michael als Ich-Erzähler von den Geschehnissen vor über 20 Jahren, beginnend mit seinem Weggang von der elterlichen Farm. Das raue Leben als Fischer, seine Suche nach menschlicher Nähe wird anschaulich geschildert.
Die Autorin mutet ihren Charakteren im Verlauf des Romans eine ganze Reihe Probleme zu, was zeitweise etwas überfrachtet erscheint. Es gelingt ihr aber, am Ende alles in eine überzeugende Lösung münden zu lassen.
Schwankend wie die Wellen der See
Der Roman ist in viele kurze Kapitel unterteilt. Die Schilderung des Roadtrips der kleinen Reisegruppe wechselt dabei mit Michaels Bericht der damaligen Ereignisse. Der andauernde Schwenk der Erzählebenen - von Grace, Jack und Malin zu Michael - macht das Eintauchen in die Geschichte jedoch schwierig und wirkt unruhig. Ein bisschen scheint es, als wolle die Autorin damit die schwankende See nachempfinden. Leider lassen die ständig wechselnden Erzählebenen den Hauptfiguren kaum Entwicklungsmöglichkeiten und können so nicht völlig überzeugen.
Fazit
Eine warmherzige Familiengeschichte vor der Kulisse der rauen Atlantikküste, die trotz einiger Schwächen ein solides Lesevergnügen verspricht.



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