Aufsteiger

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Carola Krauße-Reim
781001

Belletristik-Couch Rezension vonDez 2025

Medien-Macht.

Felix Licht ist sich ganz sicher – er wird der neue Chefredakteur „des wichtigsten Magazins des Landes“. Sein ganzes Leben hat er auf diese Berufung hingearbeitet, Beziehungen geopfert, die Familie hintenangestellt und jetzt auch lange Freundschaften aufgegeben. Doch es kommt anders, der Verleger ernennt ausgerechnet die junge Zoe Rauch, die Frau, die für Felix einmal sehr wichtig war. Für Felix bricht seine Welt zusammen. Seine Ehe steht plötzlich genauso vor dem Aus, wie seine Karriere. Aus dem Hamsterrad des Magazins entflohen, versucht er von außen das Ganze zu betrachten und verstrickt sich dabei immer tiefer in den Sumpf von Fake News, Populismus und Trends. Er versucht einen Befreiungsschlag – doch der endet tragisch.

Blick hinter die Kulissen

Schon mit seinem Debüt „Honigmann“ hat Peter Huth bewiesen, dass er aktuelle Themen sehr gut in kurzweilige Geschichten packen kann. Das schafft er auch in seinem zweiten Buch. Subtil und tiefsinnig gräbt er sich immer tiefer in die Materie der Medien und ihrer Berichterstattung. Die Themen werden dort so aufbereitet, dass sie nur polarisieren können. Die Macht der Medien über die „Lesenden“ ist enorm, wird hier doch jede Menge Druck aufgebaut, der sich irgendwann entladen muss. Und natürlich dürfen, in einem Roman von Huth, auch dieses Mal hochambitionierte und wohlhabende Frauen nicht fehlen, die aber nur so lange ihre Überzeugungen vertreten, wie sie nicht anecken oder sogar gegen den Strom schwimmen müssen. Feminismus ist nur aktuell, wenn er die eigenen Kreise nicht stört.

Huth kann es besser

Huth ist zweifellos ein guter Erzähler. Doch anders als in seinem Debüt, fehlt der Geschichte dieses Mal die Leichtigkeit der Sprache und die hochgradige Subtilität in der Handlung. Zwangsläufig geht es immer wieder um die Welt der Presse und der Onlinemedien. Dabei duplizieren sich die Probleme teilweise, werden auf verschiedenen Ebenen ausgelebt. Wirklich packend wird es erst, wenn die persönliche Note in den Plot kommt. Die bringt dem Schluss dann auch so richtig Schlagkraft und Tragik. Und damit schließt sich der Kreis, denn der Prolog macht auch schon sehr neugierig und setzt den Gedankenkreislauf in Gang.

Charaktere in Vollendung

Man kann die Figuren von Huth überzogen oder auch einfach sehr realistisch sehen. An der Spitze der Verleger Christian Berg, der so gerne ein Gutmensch wäre und vor jedem zu lösenden Problem davonrennt. Seine Frau gibt die Feministin, die gerne auch als radikal gesehen werden möchte, fällt aber sofort in alte Muster zurück, sobald sie genau in diesem Thema gefordert wird. Die Einpeitscher eines Onlinemagazins geben sich nach außen ehrlich und gerecht und agieren dann absolut konträr. Nur Felix Licht scheint ganz der zu sein, der er zu sein vorgibt. Ein Arbeitstier, das doch nur das eine Ziel vor Augen hat - Chefredakteur zu werden. Und er, der Geschasste, ist es dann auch, der tatsächlich so menschlich agiert, wie die andern es nur vorgeben.

Fazit

Peter Huth hat einmal mehr bewiesen, dass er uns subtil in die tiefsten Abgründe der Gesellschaft führen kann. Leider ist „Aufsteiger“ aber nicht ganz so tiefgründig und witzig, wie Huths Debüt und auch sprachlich muss man Abstriche machen. Dennoch lohnt sich die Lektüre!

Aufsteiger

Peter Huth, Droemer

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