Lass uns noch bleiben
- Kein & Aber
- Erschienen: November 2025
- 2


Rückkehr ins Leben ist möglich.
Nach dem plötzlichen, wortlosen Abschied ihrer Freundin Vinka vergräbt sich die junge Anna in ihrem Pflanzenladen und gleichzeitigen Malatelier in Berlin-Kreuzberg. Sie lebt völlig zurückgezogen, nur ihren Ladennachbar Henning besucht sie täglich in seinem Antiquariat für eine kleine gemeinsame Kaffeepause. Doch nicht nur die Ungewissheit über den Verbleib Vinkas belastet Anna, die angekündigte Mieterhöhung für ihre Wohnung gefährdet darüber hinaus ihre wirtschaftliche Existenz. Da eine günstigere Wohnung in Berlin äußerst schwierig zu finden ist, entscheidet sie sich spontan, den Zufallsbekannten Alex als Mitbewohner aufzunehmen. Damit ändert sich ihr Leben grundlegend, denn Alex entpuppt sich als ausgesprochene Frohnatur mit einem positiven Blick auf das Leben.
„Manchmal schlägt das Leben wie eine Welle über einem zusammen“
Alex betreibt mit einem Freund eine kleine Bar, die gleichzeitig Anlaufstelle für Jugendliche aus dem Kiez ist, die ein warmes Mittagessen und etwas Nachhilfe in der Schule benötigen. Ihm gelingt es, Anna nach und nach aus ihrer selbstgewählten Isolation zu lösen. Schließlich begleitet er sie auf der Suche nach Vinka zunächst nach Süddeutschland. Doch anders als geplant, führt diese Reise die beiden noch weiter, schließlich bis zum Haus von Annas Großmutter in Kroatien. Unterwegs wird deutlich, dass Anna nicht nur mit der Trennung von ihrer Freundin kämpft, sondern sie auch die Trauer um ihren vor einigen Jahren plötzlich verstorbenen Vater nicht loslässt. Das ohnehin nicht einfache Verhältnis zu ihrer Mutter ist seitdem noch stärker als zuvor belastet. Anna wirft ihr vor, sie nicht an den Erinnerungen an ihren Vater teilhaben zu lassen. Die Reise mit Alex an die Orte ihrer Kindheit lässt Anna die Geschichte ihrer Familie verarbeiten und verändert ihren Blick auf das eigene Leben und seine Möglichkeiten.
„Ich glaube, dass man einfach ins Leben zurückkommen muss.“
Annas Geschichte wird ruhig und in angenehmer, manchmal schon poetischer Sprache erzählt. Behutsam lässt die Autorin die Beziehung zwischen Anna und Alex sich entwickeln. Leider ist die Handlung insgesamt zu sehr auf Anna fokussiert. Die anderen Figuren bleiben blass, obwohl die angedeuteten Verwerfungen in ihren Lebensgeschichten durchaus von Interesse und erzählenswert gewesen wären. Dem Roman fehlt dadurch einiges an Tiefe, die ihm durchaus gutgetan hätte. Trotz dieser Schwächen bietet das Buch einiges an Lesevergnügen, am Ende gleitet die Handlung aber leider sehr ins Kitschige ab.
Fazit
Ein leichter Wohlfühl-Roman, der jedoch mehr Tiefgang benötigt hätte, um wirklich überzeugen zu können.


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