Ehemänner & Liebhaber

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Monika Wenger
681001

Belletristik-Couch Rezension vonJul 2025

Woher du kommst ist wichtig, definiert dich aber nicht.

In ihrem neuen Roman verknüpft Beatriz Williams zwei Frauenschicksale und zwei Zeitebenen miteinander. Selbstverständlich beansprucht der romantische Teil erheblich mehr Platz, als der historische Part. Ganz den Erwartungen entsprechend. Es ist aber auch ein leicht chaotischer Roman, der mit gezielter Dramatik auf Effekte setzt.

Zwei Frauenschicksale

Neuengland, 2022: Als alleinerziehende Mutter spürt Mallory nur allzu oft ihre Grenzen. Sie wird jedoch liebevoll von ihrer Schwester Paige unterstützt. Diese Unterstützung erweist sich als unverzichtbar, als Mallorys Sohn Sam eine Pilzvergiftung erleidet, die seine Nieren dauerhaft schädigt. Bislang konnte kein geeigneter Organspender gefunden werden. Nun steht Mallory vor der Entscheidung, den Vater ihres Sohnes zu kontaktieren, um dessen Leben zu retten. Doch noch ist sie nicht bereit, ihre ehemalige Sommerliebe wieder in ihr Leben zu lassen. Unterdessen versucht ihre Schwester, auf jede erdenkliche Art eine passende Niere für Sam aufzutreiben. Dabei stösst sie auf ein Familiengeheimnis, das sie unbedingt aufdecken will.

«Es ist wichtig zu wissen, woher man kommt», erklärt sie. «Es ist ein Teil von dir. Aber es muss dich nicht definieren. Sie geben dir das Papier und die Tinte, aber du schreibst die Geschichte selbst.»

Kairo, 1951: Hannah Ainsworth lebt mit ihrem älteren Ehemann Alistair in der ägyptischen Hauptstadt. Ihr Leben hier hat überhaupt nichts mehr mit ihrer Vergangenheit in Ungarn zu tun. Sie hat sich nach ihrer Flucht aus dem kriegsversehrten Land und ihrer Heirat mit einem Engländer eine sichere Existenz geschaffen. Ein starker Kontrast zu ihrer Vergangenheit. Auch wenn dieses Leben oft langweilig und sinnfrei verläuft, nur unterbrochen von Cocktailpartys und ermüdenden politischen Diskussionen der Männer, ist es doch ein angenehmes Leben. Bis zu jenem Abend, als sie im Garten des Shepheard’s Hotels in Kairo von einer Kobra gebissen wird und der Vizedirektor Lucien Beck ihr das Leben rettet.   

 Etwas überladen

Beatriz Williams beginnt diesen Roman chaotisch, beinahe wie in den derzeit so beliebten Fernsehserien. Hektische Momente und viele Informationen, die eine ganze Menge an Themen beinhalten, ohne dass diese vertieft werden. Sie werden erst viel später im Verlauf der Geschichte wieder aufgegriffen. Erst allmählich wird das Erzähltempo ruhiger, wodurch das Lesen um Einiges angenehmer wird. Ergänzt wird der Plot mit vielen kleinen und grossen Dramen, die jedoch rasch abgehandelt sind. Gegen Ende wird es dann doch noch eine romantische Liebesgeschichte, die zwar ein positives Gefühl vermittelt, aber auch viele Fragen offenlässt.

Die beiden Zeitebenen finden in diesem Fall nicht zueinander. Sie zu einer Geschichte zu vereinen, ist derzeit zwar angesagt, ist hier aber irgendwie fehl am Platz. Schade, denn in dieser Geschichte steckt so viel mehr. Aus dem Stoff hätten zwei tolle Geschichten mit mehr Inhalt und Tiefe entstehen können. So ist es aber eine eher oberflächliche Angelegenheit, die vor allem von den romantischen Szenen profitiert. Aber Beatriz Williams wäre keine Bestsellerautorin, wenn sie die Geschichte nicht so schreiben würde, dass sie trotz vieler Schwachstellen eine unerklärliche Sogwirkung entfaltet.  

Fazit

Die Verbindung zweier Zeitebenen ist in diesem Roman nur mässig erfolgreich. Beim Lesen entsteht der Eindruck, als sei Hannahs Geschichte erst später eingefügt worden. Gerade diese Passagen wirken jedoch am authentischsten. Dafür kommt die romantische Komponente nicht zu kurz. Trotz einiger Schwächen entfaltet der Roman eine gewisse Sogwirkung, die über vieles hinwegsehen lässt.

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