Cambridge mit einem Hauch Mystik.
Die Britin Kate van der Borgh hat in Cambridge Musik studiert und bezeichnet sich selbst humorvoll als „writer, ghost hunter and greyhound servant“. Nach bereits veröffentlichten Kurzgeschichten, ist jetzt ihr viel beachteter Debüt-Roman erschienen.
Studium in Cambridge
Ein junger Mann hat es geschafft: Aus einfachen Verhältnissen kommend, hat er die Zulassung für ein Studium der Musik an der renommierten Universität von Cambridge bekommen. Voller Vorfreude zieht er ins College, doch bald muss er merken, dass Talent und Fleiß nicht reichen, um in Cambridge dazu zugehören. Man braucht die richtigen Verbindungen – und die scheint Bryn zu haben. Gutaussehend und mit dem richtigen sozialen Hintergrund, ist er der schillernde Mittelpunkt einer angesagten Clique. Aber der junge Mann muss feststellen, dass Bryn auch dunkle Seiten hat, die dieser exzessiv auslebt, bis es zu einer Katastrophe kommt.
Blick hinter die Kulissen
Als Cambridge-Absolventin hat Kate van der Borgh Einblick in die Universität und das Geschehen an den Colleges erhalten. Den lässt sie jetzt sowohl im Hintergrund als auch in der vordergründigen Geschichte einfließen. Man erfährt so einiges über den Alltag mit Talar, „Formal“ und Portier. Und dieses Leben ist oft so ganz anders, als man es sich vorstellt. Der junge Mann, dessen Name nie erwähnt wird, steht vor großen Herausforderungen, gesellschaftlich, wie auch im Studium und wir dürfen ihn begleiten. Das hört sich erst einmal nicht sehr aufregend an – ist es aber, sobald er Bryn trifft und in dessen treue Anhängerschaft aufgenommen wird. Dann wird es zudem leicht mystisch, denn der junge Mann erlebt Dinge, die ihn stutzig machen und nicht von dieser Welt zu sein scheinen.
Fesselnd durch Stil und Inhalt
Man muss zugeben, dass der Plot einige lange Passagen hat, die ihm nicht guttun. Doch außerhalb dieser ist das Geschehen wirklich fesselnd. Wir verfolgen alles aus der Sicht des jungen Mannes, was uns natürlich nur ein eingeschränktes Wissen erlaubt. Und so fragt man sich immer wieder, was wirklich vorgeht und was sich der Mann nur einbildet.
Der Gedanke, es mit einem psychisch labilen Menschen zu tun zu haben, dessen Wahrnehmung beeinträchtigt ist, kommt immer wieder hoch. Die Geschehnisse rund um Bryn liegen zudem Jahre zurück, beeinflussen das Leben des Mannes aber noch heute und ganz besonders, da er jetzt aufgrund einer Einladung nach Cambridge in sein College zurückkehrt.
„Was hatte ich Bryn von mir preisgegeben? Meine Hoffnungen, meine Leidenschaften, meine Ängste, alles kleine Beweise meiner Ergebenheit. Vielleicht beschützen sie mich ja, wie einem Heiligen dargebrachte Votivgaben. Oder sie waren die Werkzeuge, die zu meinem Untergang führten“.
Gehalten ist diese interessante Mischung aus Krimi, Mystik und auch Gesellschaftskritik in einem sehr angenehmen Stil, der zu überzeugen weiß.
Fazit
„Wenn die Masken fallen“ ist ein ausgeklügeltes Konglomerat aus Krimi, Gesellschaftskritik, Studentenleben und Mystik. Inhalt und Stil überzeugen so sehr, dass man schon gespannt sein kann auf den nächsten Roman von Kate van der Borgh.



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