Der letzte Tag des vorigen Lebens

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  • Erschienen: August 2025
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Der letzte Tag des vorigen Lebens
Der letzte Tag des vorigen Lebens
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Monika Wenger
831001

Belletristik-Couch Rezension vonNov 2025

Mystischer Anstoss zur Reflexion.

Es ist die Ruhe, die von diesem Buch ausgeht und einen irgendwie gefangen nimmt. Das Geschehen ist unspektakulär und wiederholt sich phasenweise. Dennoch übt die Erzählung einen sonderbaren Reiz aus.

Es ist das Haus

Eine erfolgreiche Immobilienmaklerin steht in der Küche eines Hauses, das sich mit grösster Wahrscheinlichkeit nur schwer verkaufen lässt. Die Architektur ist speziell und die Räume sind aussergewöhnlich angelegt. Deshalb geht die Frau davon aus, dass sie es wieder vom Markt nehmen wird. Aber dieses Haus strahlt für sie etwas nicht Erklärbares aus. Kurz vor einem vereinbarten Besichtigungstermin steht plötzlich ein kleiner Junge im Raum. Dieses Kind ist irritierend hellhäutig und scheint nie zu blinzeln. Die Begegnung verunsichert die Frau, lässt sie aber nicht mehr los. Der Junge setzt sich in ihren Gedanken fest und beeinflusst ihr Leben zunehmend. Immer wieder zieht es sie an diesen Ort, und mit jedem Mal kehrt sie mehr zu sich selbst zurück.

« […] sie überlegt, dass immer sie es gewesen ist, die die Massstäbe gesetzt, für Kontrolle gesorgt, entschieden hat, was vernünftig ist und was nicht; sie überlegt, dass ihr scheinbarer Stoizismus nicht mehr ist als eine raffinierte Form der Feigheit.»

Fantasie und Wirklichkeit

Es ist definitiv ein aussergewöhnlicher Roman. Andrés Barba hat die Erzählung auf nur 156 Seiten kompakt gehalten und es treten nur wenige Figuren auf. Ruhig, geradezu bedächtig erzählt er von einem kurzen Lebensabschnitt einer Frau, die eine nicht erklärbare Anziehung zu einem Haus empfindet. Das Haus und der Junge veranlassen sie, über sich und ihr Leben nachzudenken. Erstaunt stellt sie fest, dass sie unbedingt diesem, zwischen den Welten feststeckenden Kind helfen will.

« Sie überlegt, wie selten im Leben sie sich auf unsicheres Terrain begeben, wie selten sie zugelassen hat, dass andere Menschen sie berühren.»

Der Roman hat etwas Gespenstisches und erzählt von Verletzungen in der Vergangenheit sowie davon, dass Heilung immer möglich ist. Die Lektüre fordert die Lesenden, aber begeistert zugleich durch ihre Erzählweise.

Fazit

Ein Roman, der überrascht, berührt und das Lesen zwischen den Zeilen voraussetzt. Optisch schmal, inhaltlich jedoch voller Facetten, bietet er tiefere Einsichten in menschliche Eigenschaften und Neigungen.

Der letzte Tag des vorigen Lebens

Andrés Barba, btb

Der letzte Tag des vorigen Lebens

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