Das Glück auf Gleis 7

Das Glück auf Gleis 7
Das Glück auf Gleis 7
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Monika Wenger
751001

Belletristik-Couch Rezension vonJan 2023

Vor lauter Curry-Analyse bin ich wohl aus dem Gespräch gefallen, und drei Augenpaare sehen mich fragend an.

Während den täglichen Zugfahrten ärgert Jamie sich immer wieder über Emmas Tollpatschigkeiten. Sie stolpert über Füsse, lässt den Kaffee aus dem Becher schwappen und isst mit Genuss und vielen Krümeln ihr Croissant. Abgesehen davon stürzt sie stets als Letzte, kurz vor der Zugsabfahrt, ins Abteil. Emma sieht Jamie dagegen eher als einen etwas steifen, überkorrekten Zeitgenossen. Immer am Laptop und selten mit einem Lächeln. Diese anfänglichen Störfaktoren verschwinden langsam – gewissermaßen mit der Häufigkeit der Gespräche, die sie zu führen beginnen.

Pendeln aus unterschiedlichen Gründen

Es wird immer offensichtlicher, dass sich Emma und Jamie gut verstehen und einander sympathischer werden. Da beide jedoch in einer Beziehung stecken, denken sie nicht weiter darüber nach. Emma liebt ihre Heimatstadt und nimmt das Pendeln in Kauf. Für Jamie ist das Zugfahren anstrengend und er sucht deshalb eine Wohnung in London, in der Nähe des Firmensitzes. Das alles scheint belanglos, bis Jamie Emma zu einem Essen zu sich in die Wohnung einlädt. Ursprünglich als Beweis für Emma, dass Kochen keine besonderen Fähigkeiten verlangt, beginnt der Abend erst prickelnd, bevor er in einer Katastrophe endet.

Seelische Altlasten und aktuelle Probleme

Emma gibt sich nach außen hin sicher, aber schon bald wird klar, dass sie seit Tylers Seitensprung tief in sich Zweifel hegt. Sie fühlt, dass etwas unwiederbringlich kaputt gegangen ist – dass es sich nicht reparieren lässt. Aktuell jedoch hält sie an der Beziehung fest, in der Hoffnung, dass es sich irgendwie richten lässt. Sie ist zufrieden mit ihrem Job in London und lebt gerne in ihrem Heimatort.

Jamie fühlt den Druck des Erben auf sich. Er zweifelt, ob er die vermeintlichen Erwartungen seines Vaters erfüllen kann. Ist das Verlagswesen wirklich seine Welt? Viel lieber würde er nämlich als Koch arbeiten. Bei dieser Arbeit kann er sich entspannen und er selber sein.

In diesen unterschiedlichen Lebenslagen begegnen sich die Hauptfiguren morgens im Zug nach London. Während der ständig intensiver werdenden Gespräche entsteht allmählich ein Bild der unterschiedlichen Lebensweisen und der Vergangenheit. Es wird offensichtlich, dass beide ihre Lasten zu tragen haben. Die täglichen Zuggespräche entwickeln Therapiecharakter und ermöglichen einen besseren Blick auf ihre jeweiligen Probleme.

Anne Sanders erzählt auf eine sehr empathische Weise abwechselnd von Emma und Jamie. Die nötige Prise Humor platziert sie geschickt, damit keine allzu grosse Schwere entsteht. Das Ganze ist locker-flockig geschrieben und entsprechend leicht zu Lesen. Natürlich rundet eine ordentliche Portion Romantik die Geschichte ab.

Fazit

Gemütlich, liebevoll und romantisch – eine Liebesgeschichte, die zeigt, dass Gegensätze sich durchaus anziehen und die Liebe ihre eigenen Wege geht.  Mut wird belohnt und der schwierige Neuanfang führt, nach Überwindung einiger Hindernisse, zum Glück. Die Lektüre lädt zum Ein- und Abtauchen ein  - „Das Glück auf Gleis 7“ ist einfach ein unbeschwerter Genuss.

Das Glück auf Gleis 7

Anne Sanders, Blanvalet

Das Glück auf Gleis 7

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