Penelope und die zwölf Mägde

Penelope und die zwölf Mägde
Penelope und die zwölf Mägde
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Monika Wenger
85

Belletristik-Couch Rezension vonJan 2023

Unterhaltsam und amüsant

„Denn ich war intelligent, das sagten alle – und sagten es so oft, dass mir am Ende Zweifel kamen, ob Intelligenz wirklich ein Vorzug war. Aus der Distanz mögen Männer eine kluge Frau bewundern, aber Auge in Auge ziehen sie schlichte Nettigkeit vor – falls nicht zufällig etwas Heisseres daherkommt. “

Penelope, die Gattin Odysseus, ist schon viele Jahre über den Totenfluss Hades gegangen. Aus dem Untergrund meldet sie sich nun zu Wort und versucht, ihre Sichtweise der Ereignisse vor Jahrtausenden darzustellen. Sie räumt mit falschen Aussagen auf und zeichnet ein überraschendes Bild vom Leben am Hof und von ihrem Gatten.

Der erste Preis

Die Gattin Odysseus, Penelope, gilt als tugendhafte und treue Gattin. Während zwanzig Jahren hat sie auf ihren Ehemann gewartet. Sie hat hunderte von Freiern hingehalten. Und sie hat sich mit Odysseus besitzergreifenden Amme arrangiert. Obwohl ihr ausserordentliche Intelligenz zugesprochen wurde, blieb ihr das Schicksal einer Königstochter nicht erspart. Als Tochter des König Ikarios’ von Sparta geboren, wurde sie mit fünfzehn Jahren in einem Wettbewerb als Trophäe an Odysseus verschachert.

Unterstützung durch die Mägde

Margaret Atwood erzählt in diesem Roman nicht von Odysseus, sondern lässt seine Gattin Penelope zu Wort kommen. Sie erzählt von den Sitten und dem Gebaren am Königshof. Von den Unannehmlichkeiten, denen Penelope ausgesetzt war, da ihr Ehemann auf unbestimmte Zeit abwesend war. Die Übergriffigkeiten nahmen stetig zu und es brauchte Gerissenheit und Schlauheit, sich zu wehren.  Mit einer List gelang es ihr, sich die Freier eine gewisse Zeit vom Leib zu halten. Indem sie am Tag das Leichentuch ihres Schwiegervaters Laertes wob und es in der Nacht wieder aufdröselte, gewann sie Zeit. Doch das Ganze flog auf. Penelope erzählt lebhaft von den Machenschaften am Hof, die dann, als Odysseus zurückkehrte, zwölf Mägden das Leben kostete.

Diese zwölf Mägde lässt Margaret Atwood zwischen einzelnen Kapiteln als Chor von ihrem Leben und Leiden singen. Das ist wirkungsvoll und unterstreicht das Verhalten der Menschen am Hofe nur allzu deutlich.

Alles in allem ist es eine tolle und unerwartet erfrischende Lektüre, die mit moderner Sprache den Zugang zur griechischen Mythologie zu erschließen vermag.

Fazit

Kurzweilig und in moderner Sprache erzählt Margaret Atwood Penelopes Geschichte aus einer ungewohnten Perspektive. Eine außergewöhnliche Art und Weise, sich einer Figur der griechischen Mythologie anzunähern –unterhaltsam und amüsant.

Penelope und die zwölf Mägde

, Goldmann

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