Die drei Hochzeiten von Manolita

Die drei Hochzeiten von Manolita
Die drei Hochzeiten von Manolita
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Carola Krauße-Reim
90

Belletristik-Couch Rezension vonDez 2022

Ein Leben in der Franco-Ära

Almudena Grandes machte die Zeit der Franco-Herrschaft immer wieder zum Thema ihrer Bücher. Mit ihren zahlreichen und in 20 Sprachen übersetzten Bestsellern, wurde sie zur Stimme der Unterdrückten, die leider schon viel zu früh am 27. November 2021 für immer verstummte. „Die drei Hochzeiten von Manolita“ erschien bereits 2014 im spanischen Original, wurde aber erst jetzt in Deutschland veröffentlicht.

„Señorita zählt nicht auf mich“

Manolita lebt mit ihrem Bruder in Madrid. Franco regiert Spanien mit harter Hand und verfolgt Kritiker und Andersdenkende konsequent. Manolita wird „Señorita zählt nicht auf mich“ genannt, weil sie sich aus allem heraushalten will, vor allem aus den konspirativen Tätigkeiten ihres Bruders Antonio. Doch sie wird zur Botin geheimer Nachrichten und willigt sogar ein, Silverio zu heiraten, der in einem Gefängnis sitzt, aber als Einziger weiß, wie man eine Druckmaschine bedienen muss. Die dunklen Zeiten vergehen und Manolita heiratet noch zweimal aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Manolita erzählt

Almudena Grandes lässt Manolita ihre Geschichte selbst erzählen. Durch die Ich-Perspektive bleibt der Leserschaft zwar so manches verborgen, fördert aber auch eine sehr intime Beziehung zur Protagonistin. Sie lässt uns Teil haben an vielen Jahren ihres Lebens, die von zahlreichen Veränderungen geprägt sind. Gleichzeitig erleben wir die Jahre der Franco-Diktatur und die Zeit davor und danach aus Sicht dieser Frau, wobei es von Nutzen ist, sich ein wenig in dieser Zeit auszukennen um der Geschichte problemlos folgen zu können. Zahlreiche Rückblicke und Wendungen und auch der gehobene und dennoch flüssig zu lesende Stil der Autorin machen die fast 700 Seiten zu einem kurzweiligen Leseerlebnis.

Die Figuren prägen das Geschehen

Grandes lässt die Zeit der Diktatur greifbar wiederauferstehen. Durch die Auswahl ihrer Figuren bildet sie die ganze Bandbreite der spanischen Gesellschaft ab, von den Adeligen bis zu den Studenten. Dabei ist ihr die Figurenzeichnung durchweg gelungen. Sie formt ihre Charaktere zu einprägsamen Personen, mit denen man leidet und hofft. Der Schluss versöhnt dann mit der Geschichte und macht die Lektüre zu einem Buch der Hoffnung - ein wunderbares Vermächtnis der großen spanischen Autorin!

Fazit

Ein Roman der Verzweiflung, Hoffnung und Zuversicht! Almudena Grandes entführt uns abermals in die Zeit der Franco-Diktatur und hält damit durch „Die drei Hochzeiten von Manolita“ die Erinnerung an diese dunkle Zeit spanischer Geschichte wach. Ein wunderbares Vermächtnis für alle Fans der Autorin und auch für eine Leserschaft, die gerne geschichtsorientierte Familienromane liest.

Die drei Hochzeiten von Manolita

, Carl Hanser

Die drei Hochzeiten von Manolita

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