Moonlight und die Tochter des Perlenfischers

  • Diana
  • Erschienen: September 2022
Moonlight und die Tochter des Perlenfischers
Moonlight und die Tochter des Perlenfischers
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Monika Wenger
73

Belletristik-Couch Rezension vonDez 2022

Neuanfang auf dem fünften Kontinent

Ende des 19. Jahrhunderts wandert die Familie Brightwell von England nach Australien aus. Mit dabei sind die beiden Kinder Eliza und Thomas. Nebst Vater Charles und der Mutter, reisen Charles Bruder Wilhelm und dessen Frau Martha mit. Die neue Umgebung ist zuerst ungewohnt, zerrt doch die ungewohnte Hitze an den Nerven. Der Neuanfang ist schwierig und es dauert eine Weile, bis die Brightwells sich als Perlenunternehmer einen Namen gemacht haben. Für Eliza, der Hauptfigur dieser Geschichte, ist alles interessant. Sie ist neugierig und wissensdurstig, interessiert sich für alles und jedes – vor allem aber für die Tiere.

Zehn Jahre später, es ist das Jahr 1896: Die Familie Brightwell hat sich im Ort Bannin Bay eingelebt und ist mit der Perlenfischerei wohlhabend geworden. Eines Tages passiert es: Das Boot kehrt ohne den Vater in den Hafen zurück. Bruder Thomas verhält sich zurückhaltend mit seinen Auskünften, was denn nun während der Fahrt passiert sei. Scheinbar ist Charles Brightwell weder angegriffen noch sonst wie angegangen worden, sondern spurlos verschwunden.

Das harte Leben der Perlenfischer

Verpackt in die vielseitige Geschichte Westaustraliens schickt die Autorin Lizzie Pook ihre Protagonistin Eliza ins Abenteuer. Allein die Überfahrt von England nach Australien ist aufregend, doch was Eliza in Australien erwartet, ist gewaltig. In Kindertagen sind dies vor allem Käfer, Insekten, Vögel und vieles mehr. Ihr Vater, der um ihren Wissensdurst und ihrem Wunsch nach Herausforderungen weiss, versteckt für sie Gegenstände, die sie dann anhand kleiner Hinweise finden muss. Das schärft ihren Verstand und beschäftigt das wissbegierige Kind. Diese Kenntnisse helfen nun der jungen Frau auf der Suche nach ihrem verschwundenen Vater. Wie ein Puzzle muss sie die Informationen zusammensetzen, lernt dabei vieles über die Perlenfischerei und über Land und Leute. Sie muss sich mit Ausgrenzungen auseinandersetzen, lernt Gewalt und Unterdrückung kennen und erfährt schmerzliche Verluste. Eliza aber hat nur ein Ziel: ihren Vater zu finden.

«Es ist ein unbarmherziges Land, in dem das Glück geduldig auf dem Grund des Ozeans liegt. Ein Meer, das unvorstellbare Reichtümer verspricht, jedoch den Perlenfischern ein hartes Leben abverlangt.» (Quelle: Roman)

Eine Fülle von Eindrücken über Land und Leute hat Lizzie Pook in ihrem Roman verarbeitet. Das Ergebnis sind etliche, z.T. auch langatmige Passagen in Form von Beschreibungen der Fauna. Viele andere Themen werden leider nur oberflächlich angegangen, nur gestreift. Aus Andeutungen und Textsequenzen zieht man Informationen über das Leben und den Umgang mit den Aborigines, über das harte Leben der Perlenfischer oder die Stellung der Frau in dieser rohen Männerwelt.

«Wenn Männer etwas noch weniger ausstehen können als ein leeres Ginglas», fährt Min fort, «dann ist es eine Frau, die ihnen vor Augen führt, dass sie nur Stroh im Kopf haben. Diese Perlenunternehmer sind sture Dummköpfe mit einem geradezu gefährlichen Stolz, und solltest du sie reizen oder sie an ihrem wunden Punkt erwischen, verschliessen sie sich entweder, oder aber sie schnellen vor wie eine Schlange und beissen zu.» (Quelle: Roman)

 

Fazit

Ein voll beladener Australienroman, der gerade wegen der Fülle an Themen leider oft oberflächlich bleibt. Allerdings ermöglicht er einen Einblick in das harte und arbeitsreiche Leben der Einwanderer an Land wie auf See. Es erzählt vor allem vom Wagemut einer jungen, eigenwilligen Frau.

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