Astrid Lindgren

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  • Erschienen: Oktober 2022
Astrid Lindgren
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Julian Hübecker
82

Belletristik-Couch Rezension vonNov 2022

Ihre Lebensaufgabe: Kindern Freude schenken

Heute kennt die 2002 verstorbene Astrid Lindgren die ganze Welt: Ihre Bücher wurden in über 100 Sprachen übersetzt und manche ihrer fiktiven Figuren dürften jedem Kind wohl vertraut sein. Doch der Erfolg ließ auf sich warten – auch weil Astrid Lindgren ihre Geschichten lange Zeit nur ihren Kindern offenbarte. Erst ein verstauchter Fuß sollte sie dazu bewegen, Pippi und Co. zu Papier zu bringen – und mit dem Schreiben nie mehr aufzuhören …

„Nur als Kind war sie noch glücklicher gewesen, was aber vermutlich daran lag, dass man nur in der Kindheit vollkommen unbeschwert und unbekümmert sein konnte. Kindsein war die Reine Form von Glückseligkeit, davon war Astrid überzeugt.“

Astrid Lindgren wird 1907 auf dem Hof Näs bei Vimmerby in Schweden geboren. Sie wächst sehr behütet auf und hat zeitlebens ein enges Verhältnis zu ihren Geschwistern und Eltern. Doch eine ungeplante Schwangerschaft bringt ihre heile Welt aus dem Gleichgewicht: Um ihrer Familie die Schande zu ersparen, flieht sie nach Stockholm und bringt einen Jungen, Lasse, zur Welt. Da sie sich jedoch nicht viel leisten kann, gibt sie ihn schweren Herzens an eine Pflegemutter. Erst 1929 – Lasse ist 3 Jahre alt – traut sich Astrid zu, ihren Sohn wieder zu sich zu nehmen; hier beginnt die Geschichte des Buches.

Anfangs hat Astrid damit zu kämpfen, Lasse aus seiner vertrauten Umgebung herauszureißen und in eine fremde zu zwingen. Nichts ist ihr wichtiger als Kinderglück – nicht zuletzt, weil sie sich als erwachsene Frau immer versucht hat, ihr inneres Kind zu bewahren. Dadurch konnte sie die Welt mit anderen Augen sehen, die anderen in ihrem Alter verwehrt geblieben sind. Die Situation mit Lasse und dem knappen Geld bessert sich, als sie sich in ihren Chef Sture verliebt und diesen schließlich heiratet. Bald darauf wird Karin geboren, und das Familienglück scheint perfekt.

Dabei macht sich Astrid nur etwas vor: Sie weiß schon lange, dass Sture ein Alkoholproblem hat. In ihrer Not hängt sie sich immer mehr an ihre Kinder und die Geschichten, die in ihrem Kopf herumspuken. Als sie sie zu Papier bringt, öffnet sich für Astrid eine Tür, die ihr die Möglichkeit gibt, endlich das zu tun, was sie schon immer tun wollte: Kinder zum Lachen bringen. Und das tut sie bis heute.

„Nur Erwachsene verstanden es, aus Höflichkeit zu lachen. Oder weil sie ihr Gegenüber manipulieren wollten. Ein Kind jedoch lachte aus vollem Hals, weil es etwas urkomisch fand (…).“

Bereits einige Bücher sind aus der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ erschienen. Zum ersten Mal darf nun die Erfolgsautorin Susanne Lieder ihren Beitrag leisten. Da fragt man sich schon, warum das noch nicht früher passiert ist, denn sie schafft es, Astrid Lindgren facettenreich darzustellen. Sowohl die Kinderbuchautorin als auch liebende Mutter und Ehefrau kommen stark zum Tragen, andererseits aber auch ihr innerer Zwiespalt, ihre dunklen Gedanken, die sie lieber unterdrückt als herausschreit. Das Wichtigste aber, das Astrid Lindgren ausmacht, ist wohl ihr inneres Kind: Mit Vergnügen klettert sie noch als erwachsene Frau auf Bäume, springt mit Klamotten in den See oder schlittert spiegelglatte Wege entlang. Man versteht ihre Freude am Leben und der Unschuld, und das zeigt sich auch im Verhalten zu ihren Kindern.

Das alles macht das Buch zu einer runden Romanbiografie – und doch ist sie nicht perfekt: Denn das Ende kommt so plötzlich und nichtssagend, dass es sehr enttäuscht. Man hätte sich etwas Kluges, Geistreiches gewünscht, etwas Essentielles, das Astrid Lindgren ausgemacht hat. Das wurde mit dem letzten Satz versucht zu erreichen, hat aber leider nicht den Punkt getroffen. Das soll aber definitiv nicht das ganze Buch runterziehen, sondern ist Meckern auf hohem Niveau.

Fazit

Susanne Lieder hat es geschafft, Astrid Lindgren mit all ihren Facetten einzufangen. Nah an der berühmten Autorin und faszinierend geschrieben, bietet sich den Leserinnen und Lesern ein Buch, das nur wenig zu wünschen übrig lässt.

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