Dian Fossey: Die Forscherin

  • Lübbe
  • Erschienen: August 2022

- TB, 320 Seiten

Dian Fossey: Die Forscherin
Dian Fossey: Die Forscherin
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Monika Wenger
78

Belletristik-Couch Rezension vonNov 2022

Schwierige Kindheit

Dian Fosseys Leben war mit Bestimmtheit nicht einfach. Die Trennung ihrer Eltern, die Distanz zu ihrem leiblichen Vater und der Umzug nach der erneuten Eheschliessung ihrer Mutter, haben in der Kinderseele Spuren hinterlassen. So erstaunt es nicht wirklich, dass eine komplexe Persönlichkeit herangewachsen ist.

«Sie hatte ihre Launenhaftigkeit besser im Griff, und die bleierne Melancholie, die sie schon seit Kindheitstagen von Zeit zu Zeit befiel, erhob nur noch selten ihr düsteres Haupt.» (Quelle: Roman)

Dian Fossey ist lange Zeit auf der Suche nach ihrem Lebenssinn. Endlich findet sie diesen in der Arbeit mit den Berggorillas. Diesen Tieren verschreibt sie sich mit Haut und Haaren.

Eine Frau mit eigenem Willen und Durchhaltevermögen

Den Charakter Dian Fosseys hat Susanne Leonard, die Autorin dieses biographischen Romans, sehr gut getroffen. Anschaulich beschreibt sie die Eigensinnigkeit, die Sturheit der Forscherin. Aber ohne diese Eigenschaften hätte sie sich wohl niemals so für ihre Tiere einsetzen können. Das verlangt schon einiges an Durchhaltevermögen. Deutlich tritt in diesem Roman zu Tage, wie Dian ihre Tiere mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigt und beschützt. Dass ihre Vorstellung von einem Lebensraum für Gorillas Gegner auf den Plan ruft, ist nicht abzustreiten und beinhaltet die Kehrseite der Medaille.

«Halb Vampir, halb Gorilla, halb Hexe – die legen Sie tatsächlich an, wenn Sie mit Wilderern zu tun haben?» «Man muss sich den herrschenden Verhältnisse schon ein bisschen anpassen, wenn man auf einen grünen Zweig kommen will, Mr. Campbell.» (Quelle: Roman)

Die täglichen Kämpfe fordern ihren Preis, zermürben Dian. Als Folge trinkt und raucht sie viel zu viel und ruiniert damit ihre Gesundheit. Zusätzlich belasten die unglücklichen Liebesbeziehungen und eine traumatische Erfahrung als Gefangene das Seelenleben der Forscherin. Sie zieht sich immer mehr zurück und vereinsamt zusehends.

Wichtige Stationen

Die Autorin beleuchtet das Leben von Dian Fossey aus drei verschiedenen Blickwinkeln. Kapitelweise erzählt sie aus der Kindheit, den 1960er-Jahren, als Dian als Forscherin startet und von den Weihnachtstagen im Jahre 1985. Ausgangslage sind die letzten Tage im Leben von Dian Fossey – diese Weihnachtstage 1985. Die Wechsel zwischen den wichtigen Stationen im Leben der Forscherin sind sprunghaft und nicht chronologisch, was das Lesen nicht einfach macht. Der Roman ist, dessen ungeachtet, gut und flüssig geschrieben und lässt die aufwändige Recherche ahnen. Nur mit einer solchen Ausgangslage ist es möglich, die Annäherung an das Leben der legendären Forscherin mit fiktiven und tatsächlichen Ereignissen so unterhaltend wiederzugeben.

 

Fazit

Ein eindrücklicher biographischer Roman, der vom Leben einer komplexen Persönlichkeit und einer tiefen Leidenschaft für die Berggorillas erzählt. Eine anschauliche und emotionale Reise von Kalifornien in die Bergwelt Ruandas. Und die Geschichte eines Lebens voller Höhen und Tiefen.

Dian Fossey: Die Forscherin

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