Was wäre wenn

Erschienen: August 2021

Bibliographische Angaben

- übersetzt von Markus Lemke

- ungekürzt gelesen von Jördis Triebel

- 2 Audio-CDs

- ca. 165 Min.

Couch-Wertung:

88
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Carola Krauße-Reim
Ein Leben voller Idealismus und Ernüchterung

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Nov 2021

Lizzie Doron ist eine weit über die Grenzen Israels hinaus bekannte Schriftstellerin. Sie lebt in Tel Aviv und ist, als Tochter einer Überlebenden der Shoah, Israelin der 2. Generation. Ihre Bücher haben einen starken Bezug zu ihrer eigenen Biografie, die zwangsläufig immer mit der Geschichte des Staates Israel verbunden ist.

Yigal liegt im Sterben

Ein Anruf aus dem Hospiz erreicht Lizzie: Ihr Kindheitsfreund Yigal liegt im Sterben. Yigal und Lizzie haben sich seit vielen Jahren nicht gesehen, und dennoch bittet er sie, sein letzter Besuch zu sein. Warum ausgerechnet sie?  Diese Frage stellt sich Lizzie nach dem bedrückenden und kurzen Treffen immer noch. Eine ganze Nacht lässt sie ihr Leben Revue passieren, weigert sich einzuschlafen, weil sie fürchtet, Yigal würde genau dann sterben; er, der Mensch, den sie geliebt, der sie so sehr enttäuscht und von dem sie sich abgewendet hat. Doch im Laufe der Nacht kristallisiert sich für sie eine andere Frage heraus: Wer hat hier wen im Stich gelassen und enttäuscht? Am frühen Morgen macht sie sich noch einmal auf den Weg ins Hospiz, um Yigal ein allerletztes Mal zu sprechen.

Einfühlsam und fesselnd …

... so könnte man den Stil Dorons bezeichnen. Sie erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, lässt den Zuhörer teilhaben an ihrer Biografie, die gezeichnet ist durch die Vergangenheit ihrer Mutter, den Zionismus des Staates Israel und dessen kriegerische Auseinandersetzungen mit seinen arabischen Nachbarstaaten. Doch Doron lässt die politischen und gesellschaftlichen Themen im Hintergrund ablaufen; für sie stehen einzig und allein die Psyche von Yigal und Lizzie im Vordergrund. Beide sind verletzte Seelen, und im Laufe der Jahre auch immer mehr desillusionierte. Anfangs ganz dem Ideal eines freien Staates Israel gewidmet, driftet ihr Leben auseinander, als Yigal in Gefangenschaft gerät und vom überzeugten Zionisten zum überzeugten Pazifisten wird. Der Leser durchlebt zusammen mit Lizzie diese endlos lange Nacht, in der sie über ihrer beider Leben nachsinnt. Die Stunden vergehen langsam, die anfängliche Verwunderung und Wut verändert sich immer mehr in  Richtung Verständnis und Scham. Doron schafft zwei Charaktere, die stellvertretend für zwei Lager in Israel stehen, und die dennoch in dieser Nacht ganz auf sich fokussiert sind. Sie lässt diese zwei Leben die ganze Tragik der Historie Israels erzählen; die Ängste, Hoffnungen und auch die Desillusionierung packt sie in unglaublich offene und ehrliche Gedanken, die den Leser vom ersten Satz an fesseln.

Jördis Triebel liest

Jördis Triebel ist eine vielfach ausgezeichnete Film- und Theaterschauspielerin, die schon zahlreiche Hörbücher eingelesen hat. Ihre warme und wohlklingende Stimme transportiert die Intensität des Buches sehr einfühlsam und stets exakt pointiert. Die nahezu spürbare Atmosphäre in der ruhigen Wohnung und die zwanghaften Gedankengänge der Protagonistin werden durch ihr Lesen unausweichlich greifbar. Sie ergänzt die sehr persönliche und tragische Geschichte von Lizzie und Yigal mit ihrer Stimme bestens und lässt dadurch das Hörbuch fast dem gedruckten Werk den Rang ablaufen.

Fazit

Lizzie Doron ist wieder einmal eine ehrliche und fesselnde Geschichte gelungen. Einmal mehr verbindet sie persönliche Erfahrungen mit historischen Ereignissen im Hintergrund. Jördis Triebel liest diesen Roman sehr einfühlsam, ergänzt mit ihrer Stimme den Text bestens und macht damit das Hörbuch zu einem Genuss, der allerdings aufgrund der Intensität des Romans Aufmerksamkeit vom Hörer verlangt.

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