Die Farbe Lila

  • Ecco
  • Erschienen: November 2021

- OT: The Color Purple

- aus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann

- HC, 288 Seiten

Die Farbe Lila
Die Farbe Lila
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Yannic Niehr
81

Belletristik-Couch Rezension vonDez 2021

Warum man nie aufhören sollte, Fragen an das Leben zu stellen

Der tiefste Süden Georgias im frühen 20. Jahrhundert: Die Schwestern Celie und Nettie wachsen auf einer Farm auf. Die Mutter verstirbt, der Vater vergeht sich mehrfach an Celie. Die daraus entstandenen Kinder werden eines nach dem anderen weggegeben. Als Celie mit einem älteren Herrn zwangsverheiratet wird, der eigentlich um Nettie gebuhlt hatte, reißt es auch die Schwestern auseinander. Bei ihrem neuen Gatten angekommen, soll Celie sich vorrangig um dessen Kinder und den Haushalt kümmern. Doch alles ändert sich, als Celies Mann seine Geliebte Shug Avery ins Haus holt. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine tiefe Bindung, und zum ersten Mal erfährt Celie, was es bedeutet, zu lieben und geliebt zu werden. Als ihr schließlich ein Brief ihrer totgeglaubten Schwester in die Hände fällt, werden einige Geschehnisse aus Celies Vergangenheit in ein neues Licht gerückt, und sie klammert sich an die Hoffnung, Nettie eines Tages wiederzusehen - und in ihre eigene Kraft zu kommen …

„Ich bin arm, ich bin Schwarz, ich bin vielleicht hässlich und kann nicht kochen, sagt eine Stimme zu allem, was zuhört. Aber ich bin da“

Die Farbe Lila aus dem Jahr 1983 ist der mit Abstand bekannteste Roman der amerikanischen Autorin Alice Walker, die neben ihrer Schriftstellerkarriere auch als politische Essayistin und Aktivistin tätig ist. Berühmt wurde das mehrfach ausgezeichnete Buch auch durch die vielbeachtete und hochkarätig besetzte Verfilmung Steven Spielbergs mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle der Celie. Nun liegt das Werk im Ecco Verlag in einer einfühlsamen Neuübersetzung von Cornelia Holfelder-von der Tann vor, die ideologisch aufgeladene Zuschreibungen wie „Schwarz“ und „weiß“ in Bezug auf die Hautfarbe durch das Schriftbild als solche kennzeichnet und anstößige Begriffe mit viel Fingerspitzengefühl ersetzt oder abwandelt, aber auch einen authentischen Zugang zur Nachbildung der Mundart der afroamerikanischen Bevölkerung in den Südstaaten der USA jener Zeit findet.

„Die Leute denken, Gott will immer nur, dass sie ihm Freude machen. Aber jeder Idiot kann doch sehen, dass es auch immer versucht, uns Freude zu machen“

Bei Die Farbe Lila handelt es sich um einen Briefroman, denn Celie klagt in Briefen, die sie an Gott selbst richtet, ihr Leid - und erzählt so nebenbei ihre herzzerreißende Geschichte. So bleibt man nah an der Figur, sieht die Welt durch ihre Augen und fühlt mit ihr. Die Tragik ihrer Selbstbeschau, aber auch das Wachsen ihrer Stärke, das Schaffen ihrer Beziehungen, ihre Herzensangelegenheiten und ihre überraschend tiefgründigen Lebensphilosophien schimmern so auf ganz intime Art und Weise zwischen den Zeilen durch. Die Figuren dieses Romans müssen sich gegen widrigste Umstände behaupten, die sie selbst als unumstößliche Gegebenheiten betrachten, machen sich dazu jedoch eine Menge Gedanken. Durch eine Welt der Weißen zu navigieren ist nicht immer leicht, und Gewalt kann man sogar auch von denen erfahren, die einem am nächsten stehen sollten. Aber die Geschichte zeichnet sich trotzdem vor allem durch unbändige Widerstandskraft und Lebensfreude aus.

In den Briefen von Nettie an Celie in der zweiten Hälfte des Romans wird diese Ebene dann erweitert und in einen größeren Kontext eingebettet, denn Netties Geschichte erzählt nicht nur mehr über die Familienverhältnisse und was aus Celies Kindern wurde, sondern auch von ihrer Zeit als Missionarin in Afrika. Mit simpler Leichtigkeit wird die Entwicklung sehr persönlicher Schicksale mit weitreichenderen sozialkritischen Inhalten verflochten, ohne dabei je die Charaktere und ihr Innenleben aus den Augen zu verlieren. Das Buch mahnt nicht nur, stets dankbar zu sein für die kleinen Dinge des Lebens, sondern schildert auch eindrücklich und unverfälscht den Weg einer jungen Frau zu ihrer Selbstwerdung - und jeder Schritt geht zu Herzen

Fazit

Ein ganz besonderer Klassiker, den in dieser Fassung neu zu entdecken sich lohnt. Die Farbe Lila ist ein sehr kluges Buch zum Lachen, Weinen - und Verstehen.

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, Ecco

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