Jane Austen und die Kunst der Worte

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  • Erschienen: November 2021

- TB, 376 Seiten

Jane Austen und die Kunst der Worte
Jane Austen und die Kunst der Worte
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Julian Hübecker
71

Belletristik-Couch Rezension von Julian Hübecker Dez 2021

Eine Frau weit ihrer Zeit voraus

Bis heute ist Jane Austen eine der gefeiertsten Schriftstellerinnen, die starke weibliche Persönlichkeiten als literarische Figuren zum Leben erweckten. Doch es dauerte, bis Austen sich einen Namen machen konnte, und danach blieben ihr auch nur noch wenige Jahre, um diesen Ruhm zu kosten. Dafür sind die Jahre der Entbehrungen und Verluste umso präsenter - haben aber wesentlich zu ihrem Erfolg beigetragen.

„Mir ist, als stünde eine Wand zwischen der Geschichte und mir. Als umkreise ich die Figuren, aber finde keinen Zugang zu ihnen. Ich kann sie zwar hören, aber nicht wirklich sehen. Eine Wand – oder Nebel … Was es auch ist, es trennt mich von ihnen.“

1775 wird Jane Austen im malerischen Steventon geboren, das zeitlebens ihr liebster Ort bleiben soll. Endlose Wiesen, ländliche Idylle und die wenigen Menschen, die dort leben, kennt sie von klein auf. Hier holt sie ihre Inspirationen, und ihr Vater ist ihr größter Fan. Nichts liebt sie mehr, als zu schreiben und stundenlang an ihrem Pult zu hocken, bis der Rücken krumm ist und die Finger tintenblau sind. Doch ihre Mutter hat andere Pläne und wünscht sich nichts mehr, als ihre Tochter zu verheiraten. Besonders nachdem Janes ältere Schwester Cass sich verlobt hat, hat sich das Augenmerk der Mutter auf ihre jüngste Tochter verschoben.

Doch Austen kann nichts mit den gesellschaftlichen Konventionen jener Zeit anfangen. Lieber bleibt sie alleinstehend, solange sie sich dem Schreiben widmen kann. Als sie Tom Lefroy kennenlernt, der so sehr aus der Männerrolle des 18. Jahrhunderts herausfällt, beginnt für sie eine Schwärmerei, die ihre zukünftigen Romane mit beeinflussen wird. Austen muss schließlich einsehen, dass auch sie nicht vorm Verliebtsein gefeit ist. Kann sie beides haben - eine Zukunft als liebende Ehefrau und als erfolgreiche Schriftstellerin?

Nicht mehr als ein stimmungsvoller Einblick

Jane Austen reiht sich ein in eine Serie aus Romanen, die außergewöhnliche Frauen in den Mittelpunkt stellen - da ihre Bücher selbst 200 Jahre nach Veröffentlichung noch Weltruhm haben, völlig zurecht. Vor allem die Entstehung von Verstand und Gefühl, Stolz und Vorurteil und Mansfield Park werden behandelt, Ausschnitte sind immer wieder eingefügt. Schlüssig lässt Catherine Bell Austen berichten, zu welcher Zeit die Romane entstanden, in welcher Lebenszeit diese ihre Bearbeitung fanden und welche Einflüsse mit hineingespielt haben. Der erwähnte Tom Lefroy hat ebenfalls seinen Teil mit beigetragen, wie auch der Ort Steventon, ihre Eltern, aber auch Freundinnen, die wiederholt auftauchen.

Insofern hat Catherine Bell gute Arbeit geleistet, vor allem, da nicht viel über das Leben von Jane Austen bekannt ist. Viele Briefe wurden von ihrer Schwester verbrannt, sodass ein großer Teil ihres Lebens im Dunkeln bleibt. Somit hat die Autorin das Beste aus dem wenigen herausholen können, wobei zwischendurch der Eindruck entstand, dass eventuelle Lücken durch zu viele Textauszüge aus Austens Büchern gefüllt wurden.

Woran es aber im Wesentlichen mangelt, ist eine Atmosphäre, die einen förmlich in die Zeit hineinsaugt. Es will sich kein Bild des 18. Jahrhunderts festigen, die Geschichte hätte auch zu jeder anderen Zeit spielen können - sieht man vom Fehlen jeglicher Technologie ab. Man will das Schreibprodukt geradezu als nüchtern beschreiben, das zwar Emotionen herüberbringen zu vermag, aber eben ein Gespür für historischen Flair vermissen lässt.

Fazit

Eine solide Arbeit, die Jane Austens Leben gerecht wird. Allerdings fehlt die geschichtliche Atmosphäre, dass man zumindest einen Hauch der Luft atmet, die auch Austen geatmet hat.

Jane Austen und die Kunst der Worte

Catherine Bell, Aufbau

Jane Austen und die Kunst der Worte

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