Die letzte Bibliothek der Welt

Erschienen: August 2021

Bibliographische Angaben

- 1 mp3-CD (ungekürzt)

- gelesen von Laura Marie

- übersetzt von Lisa Kögeböhn

Couch-Wertung:

80
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Carola Krauße-Reim
Leichte Unterhaltung mit ernstem Thema

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Sep 2021

Freya Sampson studierte in Cambridge Geschichte und arbeitete bisher als Filmproduzentin. Mit Die letzte Bibliothek der Welt legt sie ihr Romandebüt vor, welches Der-Audio-Verlag mit der bereits mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichneten Laura Maire als Sprecherin in ein wunderbares Hörbuch verwandelt hat. Mit warmer und einfühlsamer Stimme trägt sie die Geschichte vor und lässt die Personen durch unterschiedlich nuancierte Stimmen lebendig werden.

FEKL sagt der Kreisverwaltung den Kampf an

June Jones ist das Herz der kleinen Gemeindebibliothek von Chalcot. Sie kümmert sich nicht nur um die Bücher, sondern vor allem um die sehr unterschiedlichen Benutzer der angestammten Institution des typisch englischen Ortes. Als die Kreisverwaltung wegen Sparmaßnahmen mit der Schließung droht, formiert sich die Protestbewegung FEKL, der sich alle Stammbesucher der Bibliothek anschließen. Nur June darf nicht mitmachen, wenn sie nicht die Kündigung erhalten will. Doch sie findet einen Weg, zu helfen, um diesen Zufluchtsort für Einsame, Hilfesuchende und Außenseiter zu retten - denn er ist auch für sie Heimat und Mittelpunkt im Leben.

Kuschelliteratur zum Wohlfühlen

Freya Sampson hat es geschafft, ein sehr aktuelles und ebenso einschneidendes Thema lockerleicht zu verpacken: die Kürzungen im Kulturbereich. Kulturbetriebe scheinen für manche entbehrlich zu sein, für andere sind sie aber nicht nur Broterwerb, sondern Lebensinhalt. Diese eigentlich schwere Kost wird aber beschwingt und sehr emotional erzählt. Fans englischer Kuschelliteratur à la Rosamunde Pilcher kommen hier voll auf ihre Kosten. Ohne großen literarischen Anspruch, aber mit viel Unterhaltungswert erzählt die Autorin von den Menschen in Chalcot, die aus allen Wolken fallen, als ihre Bibliothek geschlossen werden soll. Dabei ist das Geschehen relativ vorhersehbar und wenig vielschichtig - aber das ist auch nicht die Intension vondieser Art Literatur, die zwar auch Wendungen bereit halten kann, aber dennoch ohne große Komplikationen hauptsächlich unterhalten will. Und das schafft Die letzte Bibliothek der Welt hervorragend. Neben der interessanten Geschichte sind auch die durchaus glaubwürdigen Dialoge ein Genuss, aber vor allem die immer flockig und leicht eingestreuten Werke von bekannten Autoren und ihre Bedeutung für Janes Leben machen richtig Spaß. Wenn dann auch noch eine kleine Liebesgeschichte das Ganze ergänzt, ist der Wohlfühl-Roman mit dem brisanten Thema perfekt.

Differenzierte Charaktere sucht man vergebens

In dem chronologisch und unkompliziert aufgebauten Plot stehen die Figuren im Mittelpunkt. Doch differenzierte Charaktere sucht man hier vergebens. Auch wenn alle Personen durchgängig gut geschildert sind, fehlt es ihnen an Vielschichtigkeit und Nuancen in ihrem Leben. Klischees bestimmen die Beschreibungen: Es gibt die polternd auftretende Berufsdemonstrantin, die sich schon in Wales für die Minenarbeiter stark machte und Thatcher genauso hasst wie alle Angepassten; den netten alten Herrn, der ein Geheimnis hat und im Protest über sich hinauswächst; die Jugendliche aus sozial schwacher Familie,  die studieren will; den kleinen superschlauen Außenseiter, der nur Bücher als Freunde hat; und natürlich June, die Bibliothekarin, eine verhuschte Maus, deren Leben nur aus Beruf und Büchern besteht, deren meist gesagtes Wort „Entschuldigung“ ist und die nun doch aus ihrer Komfortzone heraus muss. Sie macht eine sehr beachtliche Entwicklung durch, auch wenn diese wiederum schon zu Beginn zu erahnen ist. Jedoch ist ihr Weg sehr kurzweilig erzählt, manchmal auch mit gehörig Humor gespickt und somit alles andere als langweilig. Der Schluss der Geschichte ist ein kleines bisschen übermotiviert, löst aber alles auf und passt damit auch zum Rest - und ob June doch noch ihren Alex bekommt, erfährt man schwarz-auf-weiß wirklich erst im Finale.

Fazit

Die letzte Bibliothek der Welt ist ein eindrückliches Plädoyer für die Arbeit der heimischen Büchereien. Freya Sampson hat dieses aktuelle Thema in einen wunderbar erzählten und leicht zu verfolgenden Roman gepackt, der von Laura Maire so einfühlsam gelesen wird, dass die fast 9 Stunden Hörzeit schnell vorüber sind. Für Liebhaber von englischer Wohlfühl-Literatur und leichter Komödien dürfte dieses (Hör-)Buch ein entspannender und daher empfehlenswerter Genuss sein.

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