Der Geldverleiher: Ein viktorianischer Roman

Erschienen: Oktober 2021

Bibliographische Angaben

- übersetzt von Theodor Fontane

- HC, 35 Seiten

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Ein verblüffender Fund: Der junge Theodor Fontane entdeckt die viktorianische Erfolgsautorin Catherine Gore - Fontanes Übersetzung zeigt den werdenden Romancier.

Mit einer erstaunlichen Sprach- und Stilsicherheit hat der Apotheker-Gehilfe Fontane im Jahr 1842 die realistisch-lebendige, figurenreiche und auf Unterhaltung zielende Erzählweise von Catherine Gore ins Deutsche übertragen.

Englands High Society finanziert in den 1820er-Jahren nach dem Sieg über das napoleonische Frankreich den Rausch von Luxus, Spiel und Verschwendung ganz zeitgenössisch: mit Krediten. Auch der junge Leutnant Basil Annesley aus verarmtem Adel wählt den Weg in Londons dunkle Straßen zum verrufenen Geldverleiher, hinter dessen Kürzel A. O. sich der Name Abednego Olizar verbirgt - der Sohn einer konvertierten jüdischen Familie aus dem spanischen Cádiz. Die 300 geliehenen Pfund sollen aber nicht dem Vergnügen dienen, sondern Basils verarmtem Heidelberger Künstlerfreund Verelst aushelfen, der mit seiner Frau und den beiden Töchtern Esther und Salome als politischer Flüchtling in London haust.

Der junge Leutnant aus dem königlichen Garderegiment entdeckt ein seltsames Doppelleben und entwickelt Sympathie für die zwielichtige Figur: A. O. ist nicht nur die letzte Kreditinstanz der Londoner High Society, sondern auch ein hochgebildeter und mehrsprachiger Bankier, der in internationalen Finanz- und Diplomatenkreisen verkehrt, dort, wo »das Geld den erhabneren Namen 'Kapital' führt.« Seiner jüdischen Herkunft wegen wurde er zum diskriminierten Außenseiter der snobistischen englischen Oberschicht; seine künftigen Schuldner haben ihn erst zum Geldverleiher gemacht - mit Reichtum und Maskerade rächt er sich für das begangene Unrecht.

Catherine Gore beschreibt mit drastischem Realismus, spannend wie in einer kriminalistischen Handlung und aus tiefer Kenntnis die Gesellschafts- und Finanzwelt im viktorianischen England. Sie porträtiert in einer dramatischen Handlung das Sittenbild eines Zeitalters: voller Ständedünkel und antijüdischer Vorurteile.

Der Geldverleiher: Ein viktorianischer Roman

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