Die andere Hälfte der Welt

  • Diana
  • Erschienen: Oktober 2021

- OT: The End of Men

- aus dem Englischen von Carola Fischer

- TB, 496 Seiten

Die andere Hälfte der Welt
Die andere Hälfte der Welt
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Lena Bräuer
85

Belletristik-Couch Rezension von Lena Bräuer Feb 2022

Eine Welt ohne Männer

Christina Sweeney-Bairds dystopischer Roman spielt im Jahre 2025. In Glasgow wird ein junger Mann mit Fieber ins Krankenhaus gebracht und verstirbt nur wenige Stunden später an einem unbekannten Virus. Dies ist der Anfang einer Pandemie, die sich rasend schnell auf der Welt verbreitet und lediglich Männer befällt. Es gibt keine Impfung und die Epidemie greift in rasantem Tempo um sich und tötet Männer jeglichen Alters und bis in die entlegensten Orte der Welt.

Die Ärztin Amanda McClean, die sich um Patient Null gekümmert hat und weitere ähnliche Fälle beobachtet, versucht vor den Auswirkungen des Virus zu warnen, wird von den Gesundheitsbehörden jedoch zuerst ignoriert und belächelt. Erst als sich die Männer-Pest bereits über die gesamte Welt verbreitet hat, wird der Allgemeinheit bewusst, wie destruktiv und gefährlich die Krankheit ist. Neun von zehn Männern sterben. Frauen bleiben vom Virus verschont, können diesen allerdings Übertragen und müssen die Bürde auf sich nehmen, trotz aller persönlicher Schicksale, die Gesellschaft aufrechtzuerhalten.

Das Leben mit dem Virus

Der Roman spannt sich über sechs Jahre und folgt verschieden Charakteren. Da ist zum einen die Ärztin Amanda, die versucht, den Ursprung des Virus zu erkunden oder die Anthropologin Catherine, die die Geschichte der Pandemie niederschreibt. Diese lebt zurückgezogen und getrennt von ihrem Mann in einem Landhaus, um den eigenen Sohn zu schützen und muss erschreckenderweise feststellen, dass all ihre Sicherheitsmaßnahmen das Virus nicht aufhalten können.  Dann ist da Toby, der isoliert auf einem Kreuzfahrtschiff lebt; die Landwirtin Morwen, die Jugendliche auf ihrem Hof aufnimmt, um diese zu schützen, bis eine Impfung für alle zugänglich ist; oder die Wissenschaftlerin Elizabeth, die alles versucht, um einen Impfstoff gegen das Virus zu entwickeln.

Eine neue Realität

Das Buch zeigt die Schicksale verschiedenster Charaktere in einer vom Virus gekennzeichneten Welt. Die Frauen müssen Wirtschaft und Gesellschaft aufrechterhalten, in der ein großer Teil der Population fehlt.

Es ist allemal spannend, sich mich dem Gedankenspiel auseinanderzusetzen und einige Überschneidungen mit unserer aktuellen Realität zu erkennen. Die Frage, wie sich Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und das private Familienleben verändern, wenn das männliche Geschlecht auszusterben droht, zieht sich durch den Roman. Dieser ist manchmal etwas langatmig und die zahlreichen Charaktere lassen keinen wirklich engen Bezug zu einzelnen Personen zu.  Leider bleibt dadurch die emotionale Tragweite der Einzelschicksale zuweilen auf der Strecke.

Aber die Prämisse des Buches lässt unweigerlich Vergleiche mit der jetzigen Weltlage zu. Umso bemerkenswerter ist es, dass Christina Sweeney-Baird diesen Roman schon vor der Corona-Pandemie geschrieben hat. Hinzu kommt, dass der dokumentarische Charakter des Romans, durch Verwendung von Zeitungsartikeln und Tagebucheinträgen verstärkt wird und eine Vielfalt an Geschichten und Schicksalen die Story besonders lebensecht wirken lässt.

Fazit

Christina Sweeney-Baird hat noch vor Ausbruch der wirklichen Pandemie diesen fast dokumentarisch wirkenden Roman geschrieben. Sie schildert viele Einzelschicksale, Menschen, die mit all ihrer Kraft versuchen, die Männer-Pest aufzuhalten. Ein beklemmendes, aber spannendes Gedankenspiel.

Die andere Hälfte der Welt

Christina Sweeney-Baird, Diana

Die andere Hälfte der Welt

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