Der Zorn des Meeres

  • Kein & Aber
  • Erschienen: September 2021

- OT: The Watter's Mou'

- hrsg. & aus dem Englischen von Alexander Pechmann

- TB, 176 Seiten

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Monika Wenger
83

Belletristik-Couch Rezension vonNov 2021

In der Zwickmühle zwischen Pflichterfüllung und Liebe

Ein stürmischer Abend an der schottischen Küste: Durch Zufall bekommt Maggie mit, dass in dieser Nacht die Zollwache nach Schmugglerbooten Ausschau halten wird. Ihr Vater ist auf See und könnte deshalb Gefahr laufen, kontrolliert zu werden. Bereits seit einer Weile läuft das Geschäft mit dem Fischfang nicht mehr so gut, sodass sich ihr Vater, um das Boot halten zu können, mit den Schmugglern eingelassen hat.

«In den guten alten Zeiten des Schwarzhandels wurden in diesem Haus die Männer der Küstenwache freigehalten, wenn gerade eine Schmuggelaktion im Gange war, und dort schliefen sie ihren Rausch aus, während die Fracht versteckt oder auf bereitgestellten Karren landeinwärts geschafft wurde.»

Erst will Maggie ihren Verlobten, Sailor Willy, den Küstenwächter, überreden, ein Auge zuzudrücken und das Boot des Vaters unkontrolliert einlaufen zu lassen. Doch Sailor Willy ist ein aufrechter und ehrlicher Mensch und lässt sich nicht von seinen Pflichten abhalten.

«… in diesem Moment schienen seine Liebe und sein Beruf unvereinbar zu sein.»

Enttäuscht und dennoch voller Stolz über die Aufrichtigkeit ihres Verlobten, entschließt sich Maggie, bei ständig stärker werdendem Sturm auf einem kleinen Boot in See zu stechen und ihren Vater zu warnen.

Bram Stoker setzt sich in dieser Erzählung mit den Themen Ehrlichkeit und Pflichterfüllung auseinander. Mit der Figur von Sailor Willy zeichnet er einen aufrechten und pflichtbewussten Mann, der sich seiner Aufgaben und seiner Verantwortung bewusst ist und sich nicht von seinem Weg abbringen lässt. Seine Verlobte Maggie erfüllt hingegen das Klischee einer Frau, die erst auf ihre Überredungskünste und ihren Charme setzt, bevor sie sich zu einem äußerst mutigen Schritt entschließt, um ihren Vater zu retten.

Bram Stoker erzählt mit wenigen eindringlichen Worten eine packende Geschichte über Loyalität und Liebe. Auch nach vielen Jahren hat die Erzählung nichts von ihrer kraftvollen Ausdrucksweise eingebüßt. Sie ist ergreifend, mitreißend und stimmt nachdenklich.

Fazit

Eindrücklich beschreibt Bram Stoker das Tosen des Meeres bei aufziehendem Sturm und das harte Leben der Menschen an der schottischen Küste. Vor diesem Hintergrund spielt die Geschichte von Pflichterfüllung, Aufrichtigkeit und Liebe. In der Sprache eindrücklich umgesetzt, spannend und mit vielen Zwischentönen auf nur hundertsechsundsiebzig Seiten, erzählt Bram Stoker eine packende Geschichte.

Der Zorn des Meeres

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