Gestorben wird immer

  • Penguin
  • Erschienen: September 2021

- TB, 336 Seiten

Gestorben wird immer
Gestorben wird immer
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Sandra Dickhaus
95

Belletristik-Couch Rezension vonMär 2022

Ein lang gehütetes Familiengeheimnis soll gelüftet werden

Agnes Weisgut, eine strenge, fleißige Frau, die über Jahrzehnte die Geschicke des heimischen Steinmetzbetriebs leitete, ruft zu einem wichtigen Familientreffen. Nun ist sie stolze 91 Jahre alt und weist ihre Enkelin Birte an, die Familienmitglieder, vor allem ihre seit Jahren verschollene Tochter und  Mutter der jungen Frau, aufzusuchen und zu einem gemeinsamen Treffen nach Hamburg zu holen. Dafür wird es wohl einen äußerst wichtigen Grund geben, denn die Familie ist zerstritten, zu viel ist in der Vergangenheit vorgefallen. Doch jetzt spricht Agnes Klartext: Sie hat ein Geheimnis zu lüften, denn es wird Zeit für die ganze Wahrheit.

Das Puzzle setzt sich jeder Seite weiter zusammen

Eine Geschichte, die rückblickend in Agnes Kindheit beginnt, von einem entbehrungsreichen Leben, den Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der Flucht aus der Heimat und dem Tod, der allgegenwärtig zu sein scheint, erzählt. Zunächst lernt man Protagonistin Agnes im Frühjahr 2008 kennen, als sie Birte um den alles entscheidenden, lebensverändernden Gefallen bittet. Man erhält den Eindruck einer Frau, die weiß was sie will: unerschrocken, dominant und forsch. So einer Frau widerspricht man nicht so einfach!

Der Roman lebt von Zeitsprüngen, in denen man durch die Jahre 1935 bis 2008 reist. Dies geschieht allerdings mit System und verwirrt nicht. Man gelangt dabei an unterschiedliche Schauplätze, auch in den verschiedensten Ländern. Im Laufe der Handlung vervollständigt sich das Puzzle der Erzählperspektiven und Rückblenden. Mal erfährt man aus der Sicht des personalen Erzählers mehr von Birte, mal mehr von Agnes oder der verschollenen Mutter. Damit dringt man in so manches Gedankenkonstrukt ein und kann die einzelnen Situationen, von mehreren Seiten beleuchtet, erkennen.

Angenehme bildliche, flüssige Sprache ohne Kitsch

Beim Lesen kann man sich gut treiben lassen, denn der Roman ist angenehm lesbar. Anhand des bildlichen und angenehmen Sprachduktus´ gerät man schnell in den Strudel der Ereignisse rund um Agnes und ihre Familie. Auch wenn es sich wie ein Roman anhört, dessen Inhalt man schon unzählige Male im Ansatz über das Leben dreier Generationen gelesen hat, wirkt das Ganze nie kitschig oder zu gefühlsduselig. Emotionalität ist ein Bestandteil der Erzählung, schon allein durch die vielen Geschehnisse, aber aufgrund der Erzählweise wirkt dies nie aufgesetzt oder - zugunsten eines Tränenmeeres - zu sehr aufgebauscht. Dabei nutzt die Autorin keine leeren Phrasen, denn alles, was sie schreibt, ist inhaltsschwer. Es scheint fast, als erzähle jemand die Geschichte und man höre aufmerksam zu.

Ein Blick über den Tellerrand

Zusammenhalt, Schicksalsschläge, Streit, aber auch tiefe, bedingungslose Liebe und der Umgang mit Schuld sind wesentliche Inhalte in diesem Roman. Manche Gegebenheiten haben einen erheblichen Einfluss auf den Rest der Familie. So unterschätzt man die Patriarchin Agnes zu Beginn auch, denn sie scheint ruppig, herrschsüchtig und passt die entsprechende Schublade. Doch nach dem Aufdecken der Hintergründe kann man endlich über den Tellerrand schauen und den Blick auf wichtigere Dinge richten.

Fazit

Authentische Charaktere, die zwar im Ansatz fiktiv zugespitzt wurden, sind der Hauptaspekt für das Funktionieren des Romans. Emotional, interessant und nicht abgedroschen ergibt sich am Ende ein schlüssiges Bild – und das ohne Kitsch!

Gestorben wird immer

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