Umwege des Lebens

Erschienen: August 2021

Bibliographische Angaben

- OT: The Book of Two Ways

- aus dem Englischen von Elfriede Peschel

- HC, 544 Seiten

 

Couch-Wertung:

77
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Monika Wenger
Was wäre, wenn man im Leben, an einer wichtigen Kreuzung, eine andere Entschei-dung getroffen hätte?

Buch-Rezension von Monika Wenger Okt 2021

Dawn hat sich nach dem Tod ihrer Mutter entschieden, sich als Sterbebegleiterin ausbilden zu lassen und ihre Arbeit als Doktorandin der Ägyptologie aufzugeben. Fünfzehn Jahre später - Dawn ist mit dem Physiker Brian verheiratet und Mutter einer Teenager-Tochter - begleitet sie Win als Sterbe-Doula auf ihrem letzten Weg. Die sehr vertraulichen Gespräche wecken in Dawn Erinnerungen an ihre Zeit als Doktorandin in Ägypten und bringen sie dazu, sich die Frage stellen: Was wäre gewesen, wenn …?

Richtig oder falsch?

Mit großer Leidenschaft hat sich Dawn damals ihrem Studium verschrieben und durfte, gemeinsam mit ihrem Professor und dessen Lieblingsschüler Wyatt, an Ausgrabungen in Ägypten teilnehmen. Aus der anfänglichen Abneigung Dawns gegen Wyatt und dessen Besserwisserei wird mit der Zeit Liebe. Sie entpuppen sich als ebenbürtige Partner bei der Arbeit - und ebenso als engagierte Wissenschaftler. Die Nachricht von der Erkrankung von Dawns Mutter bereitet dieser außergewöhnlichen Zeit ein jähes Ende. Dawn kehrt sofort nach Hause zurück und pflegt ihre Mutter bis zu deren Tod. Sie kümmert sich um den viel jüngeren Bruder Kieran und versucht, wieder Ordnung in ihr Leben zu bringen. Eine Rückkehr an die Grabungsstätte nach Ägypten steht außer Frage.

Im Hospiz lernt Dawn Brian kennen, der dort täglich seine Großmutter besucht. Das gemeinsame Abschiednehmen von geliebten Menschen verbindet, und nach einer Weile werden Dawn und Brian ein Paar. Die Jahre vergehen - und dann plötzlich verursacht eine Sterbende bei Dawn ein Gefühlschaos. Immer öfter stellt sie sich die Frage: Wie hätte sich ihr Leben entwickelt, wenn ihre Mutter nicht krank geworden und sie nicht aus Ägypten hätte zurückkehren müssen?

Bin ich in meinem Leben angekommen?

Jodi Picoult beschäftigt sich in diesem Roman intensiv mit wissenschaftlichen Themen wie der Ägyptologie und der Quantenphysik, aber auch mit dem Sterben und den dazugehörenden psychologischen und philosophischen Fragen und Antworten. Das erfordert zeitweise die volle Aufmerksamkeit und stimmt nachdenklich.

     «Mir fällt auf, dass ihr Job sich gar nicht so sehr von meinem unterscheidet. In einem Flugzeug ist man nicht mehr an dem Ort, von dem man aufgebrochen ist, aber auch noch nicht dort, wohin die Reise geht. Man ist dazwischen gefangen. Eine Flugbegleiterin hilft dabei, diesen Übergang angenehm zu gestalten. Als Sterbebegleiterin tue ich dasselbe, nur dass die Reise vom Leben in den Tod führt ...»

Nach einem Flugzeugabsturz beginnt die Autorin ihre Geschichte und führt ihre Hauptfigur durch die unterschiedlichen Phasen ihres Lebens. In verschiedenen Kapiteln wird abwechselnd zurück in die Zeit in Ägypten und in die unmittelbare Vergangenheit geschaut und dann wieder in die Gegenwart gewechselt. Das verwirrt anfangs ein wenig, denn die Wechsel sind abrupt. Erst gegen Ende der Geschichte erkennt man eine Art roten Faden, der die eigentliche Geschichte rückwärts erzählt und zur selben Zeit den Anfang und das Ende symbolisiert. Das ist eine Herausforderung und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Lesestoff auseinanderzusetzen. Dennoch: Trotz der schwergewichtigen und vielfältigen Themen erzählt Jodi Picoult nebenbei eine schöne Liebesgeschichte mit einem überraschenden Ende.

Fazit

Im Kern eine romantische Liebesgeschichte, die zusätzlich viele gewichtige Themen behandelt. Die eigentliche Liebesgeschichte findet eher im Hintergrund statt. Im Vordergrund stehen elementare Fragen zu Themen wie Lebensgestaltung, eigenen Erwartungen und dem Sterben. Entstanden ist ein eher nachdenklich stimmender Roman mit vielen Zeitsprüngen und anspruchsvollen wissenschaftlichen Einschüben. Nicht ganz einfach zum Lesen, doch deswegen nicht weniger packend.

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