Der Junge, der sein Herz wiederfand

Erschienen: August 2021

Bibliographische Angaben

- OT: The Antbear Cabin

- aus dem Englischen von Regina Jooß

- HC, 240 Seiten

Couch-Wertung:

81
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Monika Wenger
Eine tragische Geschichte, die erst nach und nach ihre ganze Wirkung entfaltet

Buch-Rezension von Monika Wenger Okt 2021

Der Platz, wo Emanuel um das tägliche Überleben kämpft, ist ein schmaler grüner Fahrbahnstreifen auf einer stark befahrenen Straße in Durban. Hier zerlegt er beschädigte Holzkisten und setzt sie wieder zusammen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf und Gelegenheitsarbeiten hält er sich über Wasser. Eines Tages hält eine ältere Dame und gibt ihm ungefragt Tipps für die Herstellung der Kisten. Tage später kauft sie Emanuel gleich mehrere aus dem Fahrzeug heraus ab und entlöhnt ihn großzügig.

Ein Einzelgänger, der auffällt

Emanuel ist ein Einzelgänger und hält seine Arbeitsumgebung sauber und aufgeräumt. Das fällt der Dame im roten Fahrzeug auf. Eines Tages fordert sie Emanuel auf, mit ihr ein Wochenende in den Bergen zu verbringen. Der Junge sagt nach einigem Zögern zu und fährt mit. Doch je länger die Fahrt dauert, desto unsicherer wird er: Ob hier alles mit rechten Dingen zugeht? Doch das Wochenende in den Bergen entpuppt sich als Balsam für die jugendliche Seele.

     «In seinem Bauch breitete sich eine vorsichtige Freude aus. Er packte sie ganz klein zusammen, damit sie nicht vom neidischen Schicksal entdeckt würde. Ihre Wärme aber blieb.»

Die alte Dame heißt Esther und sie versucht zwar, Emanuel aus der Reserve zu locken und mehr zu seiner Herkunft und seiner Vergangenheit zu erfahren, schickt ihn aber auch in die Natur, die ihn total in den Bann zieht. Zögernd lernt Emanuel, Esther zu vertrauen, und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die gleichzeitig eine einzigartige Heilkraft entwickelt.

Gier, Krieg und Vertriebene

Elana Bregin erzählt die Geschichte von Emanuel in einer eher einfachen, schlichten Sprache und lässt die Worte und die beschriebene Natur wirken. Die Beschreibungen vom Leben auf der Straße und den dort herrschenden Gesetzen vermitteln ein verstörendes Bild, zeigen aber auch die Auswirkungen der innerafrikanischen Kriege als Folge der Kämpfe um die Bodenschätze und die Machtansprüche der verschiedenen Parteien.

     «Alle wollen die Bodenschätze. Das ist die wahre Ursache der Kriege und Kämpfe, die schon toben, seit die Belgier unser Land damals besetzt, unser Volk versklavt und in die Minen geschickt haben.»

Dem gegenüber stellt die Autorin die Geschichte von Esther Winter, die durch den Straßenjungen Emanuel an ihren verlorenen Sohn erinnert wird und mit der Fürsorge für ihn ihrer Einsamkeit entfliehen kann. Bezaubernd, wie der Junge von der Ausstrahlung Esthers angezogen wird, seine Angst und seine Zweifel überwindet und ganz langsam das Vertrauen in diese einsame ältere Frau gewinnt.

Die wunderbaren Bilder der Natur, die durch die Beschreibungen Elana Bregins entstehen, runden die Geschichte ab und zeigen, dass auch sie zum Prozess der Heilung beiträgt.

Fazit

Dieser Südafrika-Roman erzählt auf eher ruhige Art und Weise vom Leben der Gestrandeten am südlichen Ende des Kontinents. In Elana Bregins Roman hilft, nebst der menschlichen Zuwendung, auch die Natur, Wunden zu heilen. Die Autorin verwendet eine einfache, aber dennoch deutliche Sprache und erinnert mit dieser Geschichte eines Einzelschicksals an die innerafrikanischen Konflikte und die daraus entstehenden Flüchtlingsströme.

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