Die Nachricht

- HC, 256 Seiten

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Sandra Dickhaus
80

Belletristik-Couch Rezension von Sandra Dickhaus Mär 2022

Digitale Nachrichten verschicken – Fluch oder Segen?

Eine Nachricht zu bekommen, ist ja per se nichts Schlimmes, aber Ruth kann sich so gar nicht darüber freuen. Vier Jahre nach dem tödlichen Autounfall ihres Mannes lebt sie allein in ihrem modernen Häuschen in einer angesagten Gegend auf dem Land. Schicke Neubauten pflastern ihre Nachbarschaft. Ruths Kinder gehen schon längst ihre eigenen Wege und sie versucht immer mehr, sich allein durchs Leben zu schlagen. Auf einmal erhält sie eine Nachricht, mit der das Martyrium beginnt: Zunächst wird Ruth dort vermittelt, ihr Mann habe zu Lebzeiten eine Affäre gehabt, doch dies ist für sie nichts Neues. Allerdings gibt die unbekannte Person nicht so schnell auf.

Woher weiß sie all diese Dinge aus Ruths Vergangenheit?

Ihr Leben teilt sie mittlerweile zeitweise, wenn die Beziehung Bestand hat, mit Simon, einem Universitätsprofessor. Selbst ihre Kinder und Freunde werden mit Nachrichten überschüttet, in denen Ruth beschimpft wird. Und es hört einfach nicht auf! Irgendwann erhärtet sich ein Verdacht in Ruth, dem sie nachgehen möchte.

Keine typische „Vorzeigefrau“

Der Einstieg ins Geschehen zieht sich auf den ersten Seiten und man muss sich zunächst einmal in die Situation einfinden, den Ort erkunden und Ruth kennen lernen. Ruth ist keine typische Hausfrau, die Zuhause harrt, sie versucht, ihr Leben genussvoll zu gestalten, raucht und trinkt auch mal gerne. Sie ist offen, selbstbewusst und manchmal sogar recht unkonventionell. Genau dies wird ihr in den diffamierenden Nachrichten und den Reaktionen von außen mitgeteilt, denn wenn sie sich mehr fügen würde, sich anpassen, würde man nicht so schnell ein Opfer solcher Attacken werden. Ist das wirklich so? Nicht nur einmal erleben wir die Hauptfigur, die schon in Erwartung einer neuen Nachricht,  versucht, ihren Alltag normal zu begehen. Unterschwellig wird immer deutlicher, dass selbst enge Freunde beginnen, an Ruth zu zweifeln – ein irrer Teufelskreis

Alltagsschilderungen, Beobachtungen von Orten und Menschen zeichnen die Schilderungen aus

Die Autorin schildert die Ereignisse in einem ruhigen Ton, sie leben von Alltagsschilderungen, teils banalen Dialogen, Beobachtungen von Orten und Menschen. Dennoch baut sich eine Spannung auf. Man möchte wissen, wer hinter diesen ganzen Attacken steckt. Die Situationen erlebt man zumeist aus Ruths Sicht, erfährt, wie sie sich in dieser schwierigen Zeit fühlt. Nach außen hin wirkt sie immer souverän, aber innerlich sieht es ganz anders aus. Das Ende des Romans ist sehr realistisch gestaltet und springt nicht auf den Zug des zwangshaften Happy Ends auf. Auch wenn dies emotional tief enttäuscht!

Fazit

Ein Roman voller Ungerechtigkeiten, Vorverurteilungen, Hilflosigkeit, aber auch großem Mut und einer Frau, die genau dies alles erleben muss, ohne die geringste Schuld daran zu tragen. Ein Paradebeispiel für Übergriffigkeit im eigenen Alltag und der Schwierigkeit, sich effektiv zu wehren.

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