Alte Liebe

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2009, Seiten: 3, Übersetzt: Elke Heidenreich & Bernd Schroeder
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011, Seiten: 190, Originalsprache

Couch-Wertung:

92
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Daniela Loisl
Bezaubernd köstlich – berührend tiefgründig

Buch-Rezension von Daniela Loisl Aug 2011

Wunderbare Szenen einer Ehe

Das alternde Ehepaar Harry und Lore werden von Gloria, ihrer Tochter, zur Hochzeit eingeladen. Da es nun schon ihre dritte Ehe ist in die sie geht, sind die beiden Eltern natürlich äußerst skeptisch. Erst recht, als sie erfahren, dass dies so ein reicher Schnösel ist, der Geld im Überfluss hat. Lore und Harry machen sich natürlich Gedanken, was alles falsch gelaufen ist und haben dadurch auch wieder eine gemeinsame Kommunikationsebene. So analysiert jeder für sich ihre langjährige Ehe und überdenkt ihr aktuelles Leben.

Realitätsnahe Figuren – erfrischende Dialoge

Heidenreich und Schroeder haben mit Lore und Harry ein Ehepaar geschaffen, wie es diese zu Tausenden gibt. Beide Mitte Sechzig haben sie nicht nur ein reichhaltiges Arbeitsleben hinter sich und eine Tochter großgezogen, sondern in all den Jahren auch eine doch ganz gute, aber nicht mehr allzu vitale, Basis für ihre ehelichen Beziehung geschaffen. Harry, pensionierter Architekt lebt für seinen Garten, ist aber ansonsten ein eher bequemer und phlegmatischer Zeitgenosse. Ganz im Gegenteil zu Lore, die noch in ihrer Arbeit als Bibliothekarin aufgeht, Bücher verschlingt, Lesungen organisiert und am liebsten oft auf Reisen ginge, um ihren geistigen Horizont für Kulturelles und Geschichtliches zu erweitern.

Die Autoren haben das Buch rein in Dialoge angelegt. So ist der Leser stiller Zuhörer bei den Gesprächen der beiden die vom alltäglich belanglosen Geplänkel, über schnippische und sarkastische Bemerkungen, aber auch über ihre Beziehung zu ihrer Tochter Gloria gehen. Dadurch, dass die beiden Protagonisten eine Stimme von ihrem – in diesem Fall Heidenreich und Schroeder - eigenen Geschlechtsgenossen bekommen, werden die Gedankengänge und das Handeln der Personen sehr glaubwürdig und authentisch. Mit immensem Fingerspitzengefühl und einer großen Portion Empathie avanciert das Ehepaar zu guten Bekannten, die Figuren werden einem vertraut und vielleicht findet man sich bei der einen oder anderen Reaktion oder Bemerkung sogar selbst wieder.

Zum Schmunzeln und Weinen

In Lores und Harrys Gedanken bekommt man abwechselnd Einblicke, so dass sich die Dialoge zwischen den beiden schlüssig und nachvollziehbar darstellen. So zeichnen die Autoren Schritt für Schritt ein Psychogramm ihrer Figuren und deren Beziehung. Lassen den Leser teilhaben, wie sich die beiden durch den Umstand, dass ihre Tochter nun schon zum dritten Mal heiratet, wieder näher kommen, wieder zu ihrer Vertrautheit und auch wieder zu ihrer Liebe finden und so manch heitere Passage zaubert dem Leser ein Schmunzeln auf die Lippen.

 

"Sag mal, Lore, ist das feige, wenn man sich wünscht, der erste zu sein, der stirbt?"
"Willst du dich aus dem Staub machen?"
"Meine Frage ist ernst gemeint."
"Harry, was sind das für Gedanken? Nach der durchschnittlichen Lebenserwartung haben wir noch zwanzig Jahre zu leben – ich sogar zweiundzwanzig."

 

So locker, witzig und humorvoll die Dialoge auch sind, so viel Tiefgang, Wahrheit und Zuneigung liest man zwischen den Zeilen heraus.

Dieses Buch ist eine kleine Perle in der Flut der Bücher die den Markt überschwemmen. Heiter und leicht, ohne Kitsch und übertriebenem Pathos, aber auch intensiv und traurig, ohne melancholisch bedrückend zu sein. Eine Reminiszenz an die Liebe, welche selten auf diesem Niveau zu finden ist.

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